Die aktuelle „Angst“-Strategie der AfD wird sich als Bumerang erweisen

Beim Stöbern bin ich auf einen Beitrag von Frau Anja Roth vom 31. Juli 2013 gestoßen. Zitat: „Die AfD versucht bei den aufgegriffenen Themen immer den Eindruck zu erwecken, dass noch nie jemand zuvor das Problem erkannt hätte. Und die FB AfD-ler nutzen jedes Thema um gegen jeden und alles zu hetzen. Es ist aber so, dass es außer den Luckes auf dieser Welt auch noch andere intelligente Menschen gibt, die sich schon lange vor Lucke mit den Themen auseinandergesetzt haben. Und das wiederum überfordert die FB AfD-ler, da sie nur ihrem Guru Lucke lauschen und ansonsten alles um sie herum dumm ist, und dieses Meinungsbild wiederum fördert Lucke nur zu gerne.“

So genau stellt sich die AfD dar: omnipotent, allwissend, aggressiv, anmaßend. Dabei haben wir in unserem Land keinen Erkenntnisnotstand über Ursachen, Zustand und Auswirkungen der Eurokrise, sondern ein Defizit an praktikablen, politisch umsetzbaren und nachhaltigen Problemlösungskonzepten.

Nehmen wir die fünf von Lucke konzipierten Strategien zur Bewältigung der Euro-Krise, die sich teilweise widersprechen und über reines Wunschdenken nicht hinausgehen. Und sie haben einen entscheidenden Schwachpunkt: sie sind bezüglich der gesamtwirtschaftlichen, finanzpolitischen und sozial-politischen Auswirkungen und im Hinblick auf die gewaltigen vor allen Dingen außenpolitischen Kollateralschäden auch nicht nur ansatzweise beschrieben oder berechnet und damit nicht vom Ende her bedacht.

Die Grundlagen für die Euro-Krise liegen in den Verträgen von Maastricht und Lissabon und bei der Schaffung der Währungsunion, die wider besseres Wissen und ökonomischen Sachverstand als Hebel- statt als Krönungsstrategie implementiert worden ist. Und das, obwohl jeder Student im 1. Semester Volkswirtschaftlehre lernt, dass ein gemeinsamer Währungsraum ohne eine einheitliche Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik nicht funktionieren KANN. Dies gilt konsequenterweise auch für die von Lucke geforderte sogenannte kleine Währungsunion der Nordstaaten.

Mit der Hebel-Strategie bei der Einführung des Euro wollte man die europäischen Staaten dazu zwingen, diese Vereinheitlichung vorzunehmen, statt die schrittweise Schaffung eines vereinheitlichen Europa irgendwann einmal mit dem Euro quasi zu krönen.

Ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass Persönlichkeiten wie Starbatty, Schachtschneider und Hankel immer wieder vor den Folgen von Maastricht und der Euroeinführung gewarnt haben. Ich selbst habe als Gründungsmitglied des Bund freier Bürger und aktiver Mitstreiter dieser drei genannten Herren in über 300 Vorträgen vor den Gefahren von Maastricht und Euro gewarnt, obgleich ich mir damals einfach nicht vorstellen konnte, dass es einmal so schlimm für uns kommen könnte.

Ich stelle mir rückschauend immer wieder dieselbe Frage: wo waren damals, vor 10 oder 15 Jahren, als die Weichen gestellt wurden und sich die die Katastrophe für viele sichtbar bereits klar abgezeichnet hatte, die Herren Lucke, Adam, Wächter, Schünemann (um nur ein paar Namen zu nennen)? Ich habe sie alle nicht gesehen oder gehört. Jetzt tauchen sie plötzlich alle auf und meinen die richtigen Rezepte anbieten zu können. Dabei sollten sie doch wissen, dass es keine Rezepte gibt, sondern nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera, die Wahl zwischen einem Ende mit Schrecken oder einem Schrecken ohne Ende.

Wir beklagen mit Recht, dass die Bundesregierungen die Wahrheit über weitere gravierende sogenannte Rettungsmaßnahmen auf den Zeitpunkt bis nach der Bundestagswahl verschiebt. Möglicherweise müssen wir uns als AfD den Vorwurf machen lassen, den Wählern praktisch und politisch unrealisierbare Lösungskonzepte anzubieten, um in den Bundestag zu kommen und dort bestenfalls den politischen Wirkungsgrad der Linken erreichen.

Die AfD-Strategie, den Bürgern Angst zu machen ohne gleichzeitig auch seriöse und politisch umsetzbare Lösungskonzepte vorzulegen, wird sich als ein übler Bumerang erweisen: Ängste suchen nach einem Stabilitätsanker, und den bietet, auch wenn nur scheinbar, die CDU und Merkel, keinesfalls aber die AfD. Dieser Theorie folgend, machen wir de facto Wahlkampf für die Blockparteien.

Jörg Schülke
Vorstandsmitglied AfD München West/Mitte

Dazu Anja Roth:

Die Erklärung für die Schuldenkrise ist mathematisch einfach zu erläutern. Die Wirtschaftsleistung wächst linear, die Schulden wachsen durch Zins und Zinseszins exponential. Die Schulden werden nach einem bestimmten Zeitraum so hoch, dass sie nicht mehr bedient werden können. Die Nullzinspolitik versucht die exponentiell steigende Schuldenkurve zu verflachen. Da jedem Euro Schulden auch ein Euro Guthaben gegenübersteht, ist es unausweichlich, dass Guthaben durch Preissteigerungen an Kaufkraft verlieren, wenn die Guthabenzinsen niedriger als die Preissteigerungen sind. Die AfD nimmt sich diesem Thema an, dass durch die Europolitik jährlich Milliarden an Sparvermögen vernichtet werden. Die Schuldenkrise hat aber wie Lucke auch schon einmal festgestellt hat, nichts mit dem Euro zu tun, sondern ist eine einfache mathematische Begebenheit. Wenn die Zinsen wieder steigen, ist das Finanzsystem innerhalb kurzer Zeit erledigt, weil dann die Schuldenkurve wieder ihren exponentiellen Verlauf aufnimmt. Ob das zuerst in den USA oder in Europa der Fall sein wird, ist reine Spekulation. Es sei denn, die AfD würde tatsächlich in Regierungsverantwortung kommen, dann ist die Frage beantwortet, dass Europa den Finanzcrash auslösen wird.

Und alles, was Lucke mit seinen Statistiken zu beweisen versucht, ist eine Irreführung, weil er nicht die eigentlichen Ursachen nennt und beschreibt.

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7 Gedanken zu „Die aktuelle „Angst“-Strategie der AfD wird sich als Bumerang erweisen

  1. Ich kann Herrn Schülke in jedem Punkt zustimmen: Der BFB hat alles zum Thema bereits (fast mit den gleichen Protagonisten) vor mehr als 15 Jahren richtig analysiert. Schon damals haben die Menschen dem Konglumerat aus Banken, Systemparteien und Multikultis geglaubt und vertraut. Die Mehrheiten und die politische Stimmung haben sich seitdem nicht verbessert: Die „Deutschen“ sehen den eingeschlagenen Weg als alternativlos an und werden brav das machen, was Merkel, Schäuble, die SPD und die Medien ihnen täglich vorkauen. Dieses System ist stabiler als jede Regierungsform, die wir bislang kannten. Der AfD kann Teil dieses Systems werden (wie die Grünen) und versuchen, einen Teil vom Machtkuchen abzustauben. Lehnt er sich auf, wird er – und das ist die Todesstrafe – erst lächerlich gemacht und am Ende ignoriert. Das Ende des Spiels ist dann das permanente Eigenbeschäftigen der AfD-Funktionäre bis zur Atomisierung der Partei.

    Markus Roscher-Meinel (Ex stv. Bundesvorsitzender und Ex-komm. Bundesvorsitzender des Bund Freier Bürger in den Jahren 1998 und 1999

  2. Die Regierung aus den Altparteien der letzten 30 Jahre ist wie ein riesiger Dampfer. Immer wieder versuchen neue Parteien den Dampfer zu entern und das Ruder herum zu reißen. Und sollte es ihnen gelingen dort aufzuspringen und es sogar soweit kommen, dass sie auch mal ins Ruder greifen dürfen, dann werden sie feststellen, dass der Dampfer seinen Kurs wegen der Trägheit der Masse nicht ändert! Vielleicht wird er den Kurs um ein paar Grad ändern aber im Prinzip nicht die Richtung!
    Schade, dass dadurch die Bürger und Menschen immer wieder getäuscht werden. Was wirklich helfen würde, wäre diesen Dampfer zu versenken! Eine neue Regierungs- und Staatsform zu konstruieren, die kleiner, wendiger und besser steuerbar ist um Unwegenheiten ausweichen zu können.

  3. Mag alles so sein, jedoch wäre es fatal, die einzige Alternative zur gegenwärtigen >>Alternativlosigkeit<< oder gar der noch viel gefährlichen Linksgrünen Mischpoke zu zerfleischen.

  4. Es ist kontraproduktiv wenn sich die Mitdenkenden gegenseitig bekämpfen. Welche Alternative gibt es zur CDUCSUSPDFDPGRÜNENLINKEN Partei ? Wieviele Kandidaten stellt der BFB zum Bundestagswahlkampf ?

  5. Frau Roth hat völlig Recht – aber Lucke treibt die Erkenntnis, dass er nicht zu viele Wähler vor den Kopf stoßen darf – und dass Duldung oder Koalition mit den Etabliertendas einzig reale Ziel sein kann.
    Es geht uns halt noch zu gut…

  6. Die etablierten Parteien haben als Konzept nur das „Weiter so!“ anzubieten. Die reine Mathematik zeigt, worin das ‚Weiter so‘ endet, in einem Waehrungszusammenbruch mit erheblichen sozialen Konsequenzen fuer die Völker. Dies jetzt zu erwaehnen, ist also Angstmache. Dies nicht zu erwähnen, ist Regierungspolitik! Die Alternative für Deutschland bietet Loesungen an. Das ist normalerweise die Aufgabe der Opposition. Die gibt es in Deutschland nicht. Diese Loesungen nun zu diskreditieren ohne argumentative Beweise, das ist Wahlpropaganda fuer die CDU. Und wenn der BFB alles vorher wusste, warum hat erst keine Wahlen gewonnen? Und wenn man Vorstand in der AfD ist, ist diese oeffentliche Diskreditierung der Partei ein parteischaedigendes Verhalten und muss zum Parteiausschluss führen.

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