Eine stinkende „Geldbombe für Deutschland“? Ungereimtheiten der AfD-Spendenaktion

Der Parteichef der Alternative für Deutschland, Bernd Lucke, kündigte am vergangenen Mittwoch, 3 Tage nach dem Ende der zweitägigen Online-Spendenaktion für ihren Wahlkampf („Geldbombe für Deutschland“) an, wie die Spendengelder (über 500.000€) verwendet werden:

„Wir verwenden die gespendeten Gelder wie folgt: Heute (Mittwoch) und morgen (Donnerstag) erscheint eine dreispaltige Anzeige in fast allen Wochenblättern (kostenlose Anzeigenblätter) – flächendeckend in der ganzen Bundesrepublik. „

Lucke erweckt damit den Eindruck, dass die Partei relativ spontan und schnell entschied, wie der erfreuliche Geldsegen verwendet werde. Werbekampagnen erfolgen aber nicht spontan und ungeplant. Sie haben in der Regel einen langen Vorlauf. Media- und Werbeausgaben sind zu budgetieren und es wird nicht mit Summen geplant und gebucht, die der Auftraggeber (hier die AfD) nicht oder noch nicht ausgeben kann. Auch die Anzeigen und Druckunterlagen werden nicht einen Tag vorher gestaltet, sondern sie müssen den Verlagen ungefähr eine Woche vor dem Erscheinungstermin (ET) der Wochenblätter vorliegen. Dementsprechend muss die Kreativagentur mit der Erstellung und der Adaption der Anzeigen auf unterschiedliche Formate spätestens 2 Wochen vor dem ET beginnen – und sie muss auch gezahlt werden. Der an Luckes Schreiben angehängte Belegungsplan stammt vom 04.09.2013. Vermutlich war also die Kampagne in den Wochenblättern bereits 2 Wochen vor der Spendenaktion „Geldbombe für Deutschland“ gebucht.

Plante und buchte die Führung der AfD eine deutschlandweite Wochenblätter-Kampagne ohne über die notwendigen Geldmittel zu verfügen? Vertraute sie auf eine kurzfristig angesetzte Spendensammlung, die „Geldbombe für Deutschland“? Eine solche Vorgehensweise wäre höchst unseriös und unsolide und würde nicht zu einer Partei passen, die solide Finanzen fordert. Falls die benötigte Summe nicht durch die Spenden gedeckt worden wäre, hätte die AfD die Kampagne nicht mehr stornieren können, da die Anzeigenschlüsse vor dem Beginn der Spendenaktion lagen.

Wahrscheinlicher ist es, dass die Führung der AfD nur den Eindruck erweckte, dass die Spendensammlung für den Bundestagswahlkampf eingesetzt werde – als Zweck der „Geldbombe für Deutschland“ nannte sie die laufende Kampagne. Allerdings war der Zeitpunkt der Spendensammlung und der entsprechende Eingang der Spendensummen auf die Konten der AfD viel zu spät – ein paar Tage vor der Bundestagswahl – als dass die Summe noch für die Wahlkampagne eingesetzt werden könnte. Wahlkampagnen werden größtenteils Monate im Voraus budgetiert und finanziert.

Realistisch sind ganz andere Verwendungszwecke der „Geldbombe“. Da wäre eine teure Wahlparty am 22.09.2013 in Berlin. Dazu werden die wichtigsten Funktionäre auf Parteikosten aus den Bundesländern eingeflogen. Zum Beispiel aus Bayern werden 10 Erlauchte dabei sein. Auch die Personalkosten der Bundesgeschäftsstelle müssen gedeckt werden. Georg Metz, der Zweite auf der Sachsen-Liste und Söhnchen des ehemaligen Staatssekretärs der Sachsen-CDU, erhält laut Insiderinformationen rund 10.000€ Honorar im Monat (Scheinselbständigkeit?), der Bestverdiener der Bundesgeschäftsstelle kommt auf 13.500€ monatlich. Das sind stattliche Ausgaben für eine junge und neue Partei.

Die AfD setzt sich u.a. ein für demokratische Kontrolle, Transparenz und Bürgernähe.

Herr Lucke, klären Sie uns, teils großzügig spendende Mitglieder über die „Geldbombe“ auf.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s