Buchempfehlung: „Der dunkle Ort – 25 Schicksale aus dem DDR-Frauengefängnis Hoheneck“

Buchempfehlung zum „Haus des Grauens“ in Sachsen

Katrin Uhlmann, ließ sich vor wenigen Wochen zur Schatzmeisterin der „Alternative für Deutschland“ in Chemnitz inthronisieren. Sie ist die „Whistle-Blowerin“ für AfD-Sternchen Frauke Petry, um demokratisch gesinnte Kräfte in Sachsen „endgültig zu erledigen“ (Katrin Uhlmann am 13.08.2013 per E-Mail). Ihre Zeit als DDR-Wärterin auf der Burg Hoheneck (Stollberg/Erzgebirge) bot eine gute Grundausbildung: Folter, Willkür, Unrecht – exekutiert von den Wärterinnen (Insassen nannten sie „Wachteln“). In der TV-Serie „Weissensee“ (ARD) über das Schicksal echter DDR-Opponenten und StaSi-Schweine spielt das Frauen-Folter-Zuchthaus Hoheneck eine zentrale Rolle (siehe Rezension DIE WELT 17.09.2013).

Katrin Uhlmann verharmlost oft und gerne. Bis heute stellt sie ihre Folteranstalt als „normales Gefängnis“ dar, wo Inhaftierte „nicht ohne Grund“ gesessen hätten. Den AfD-Mitgliedern schwindelt sie vor, gleich nach der „Wende“ (1990) den Dienst auf Hoheneck quittiert zu haben, natürlich in Opposition zur SED. Auch in der Zeit nach 1945 gab es plötzlich keine Nationalsozialisten mehr, nur Widerstandskämpfer. Selbstkritik kannten eingefleischte Nazis nie. Hier reichen sich NS- und SED-Schergen die Hand.

SED Wir wollen aufklären.

Bautzen kennt jeder. In der dortigen Justizvollzugsanstalt saßen die Männer ein. Die wenigsten aber wissen, dass es in der DDR auch ein Frauengefängnis mit ähnlich brutalen Zuständen gab: die Strafvollzugsanstalt Hoheneck im sächsischen Stollberg (Erzgebirge), „Das vergessene Verließ“ (Tagesspiegel 13.06.2011). Eine Burg mit hohen Mauern, Stacheldraht und Elektrozäunen. Hier saßen nicht nur Kriminelle ein, sondern auch und vor allem Regimegegnerinnen und Republikflüchtlinge (etwa 2/3 der Gefangenen). Die Gefangenen litten unter Kälte, minderwertigem Essen und den brutalen Behandlungen durch das Wachpersonal (die Wärterinnen wurden „Wachteln“ genannt). In drei Schichten wurde Tag und Nacht in den Gefängnisbetrieben gearbeitet.

Uhlmann Ex-SED Katrin Uhlmann, Frauke Petrys Whistle-Blowerin in Chemnitz,
POS „Hans Eisler“ Karl-Marx-Stadt 1973 – 1975,
POS „Carl Bobach“ Karls-Marx-Stadt 1975 bis 1984,
Betriebsberufsschule (BBS) des VEB Fettchemie Karl-Marx-Stadt 1984 bis 1986,
Wärterin im Frauenzuchthaus Hoheneck 1986 bis 1997 (genannt „Wachtel“),
TU Darmstadt (Informatik) 1997 bis 2002,
seit 2002 i.d.R. arbeitssuchend, seit 04/2013 AfD,
kandidierte auf dem AfD-Landesparteitag am 28.04.2013 (Leipzig)
für einen Listenplatz zum Deutschen Bundestag;
will am 24.10.2013 auf dem Kreisparteitag in den Vorstand gewählt werden
und zementiert damit die Machtstrukturen der SED-Folterknechte in Sachsen

In den 1970er Jahren saßen zeitweise über 1.600 Frauen in dem hoffnungslos überbelegten Zuchthaus, das für 600 Personen ausgestattet war. Die Opfer des SED-Regimes werden öffentlich kaum wahrgenommen. Doch Leidtragende einer Diktatur dürfen nicht vergessen werden. In dem Buch erzählen 25 Frauen, die zwischen 1949 und 1989 als „Politische Gefangene“ inhaftiert waren von ihren Erlebnissen auf Hoheneck, der wohl brutalsten Haftanstalt der DDR. Sehenswerte TV-Dokumentationen berichtet Erschütterndes, staatlich organisiertes Verbrechen an Frauen:

 ARD 09.11.2011 (Mediathek): „Die Frauen von Hoheneck
SPIEGEL-TV 25.09.2009: „Unter Verschluss – Die geheimen Schicksale der DDR-Frauen

Ulrich Oehme Ulrich Oehme,
Ex-SED, Ex-FREIHEIT, Fundamentalchrist,
Frauke Petrys AfD-Kreisbeauftragter in Karl-Marx-Stadt,
schützt und verteidigt seine ehemalige Genossin Katrin Uhlmann,
will am 24.10.2013 zum Kreisvorsitzenden gewählt werden;
strebt mit Katrin Uhlmann ein Landtagsmandat in Sachsen an (2014),
zementiert die Okkupation des Landesverbandes Sachsen durch DIE FREIHEIT

 Die Opfer des SED-Regimes werden öffentlich kaum wahrgenommen, doch die Leidtragenden einer Diktatur dürfen nicht vergessen werden, denn die Täter streben nicht erst seit 1990 in die bundesrepublikanischen Strukturen. Sie tun es heute noch, z.B. in der AfD. Sie treten auf jene, die diese „Hölle der Frauen“ (DIE WELT 13.05.2011) überlebten.

Der dunkle Ortein bedrückendes Portrait von 25 Frauen, die das DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck überlebten
Der dunkle Ort – 25 Schicksale aus dem DDR-Frauengefängnis Hoheneck
von Maggie Riepl und Dirk v. Nayhauß, ISBN 978-3-937233-99-4,
Leseprobe (klicken)

Die Trutzburg aus dem 13. Jahrhundert war eines der schlimmsten Zuchthäuser der DDR. Im Frauengefängnis Hoheneck herrschten verheerende Zustände: überbelegte Zellen, Akkordarbeit, drakonische Strafen. Die „Politischen“ wurden besonders schikaniert – vom Personal und von den schwerkriminellen Frauen, mit denen sie zusammen eingesperrt waren. Das Wachpersonal rekrutierte die SED vor allem aus Frauen mit niederen Hemmsachwellen, empathischer Verarmung und sozialer Verstumpfung.

burg hoheneck Burg Hoheneck, Stollberg (Erzgebirge),
in der DDR genannt „Strafvollzugseinrichtung (StVE)“

 Drei ehemalige Häftlinge berichten:

Petra Koch(*15.01.1960 †21.02.2013 an den Spätfolgen der Haft in Hoheneck)

Im Prager Staatsgefängnis war in die Wand das Gedicht „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ eingeritzt. Ich wusste damals nicht, dass es von Dietrich Bonhoeffer ist. Ich betete es von da an jeden Tag. Ich komme aus einem atheistischen Elternhaus, habe mich aber immer gefragt, ob es doch einen Gott gibt. In Hoheneck durfte man den ­Gottesdienst besuchen. Eine Mitgefangene erzählte mir aber, dass der Pastor unter dem Talar Stiefel trug.

Sie war deshalb überzeugt: „Das ist doch einer von der Stasi.“ Die von mir gewünschte Bibel habe ich nicht bekommen, da ich offiziell konfessionslos war. Doch auch so hat mir mein Glaube geholfen. Ich kannte zwar nicht die Rituale, konnte damals noch nicht das Vaterunser auswendig, aber ich wusste, es gibt eine Kraft in mir: Wenn ich die zulasse, wird sie mir Halt geben und mich nie mehr verlassen. Ich habe Zwiesprache mit Gott gehalten – wie mit einem guten Kumpel.

Petra KochPetra Koch, ehemalige „Politische“ in Hoheneck“

Ich habe gesagt: Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel. Ich hatte damals meine Zweifel, inzwischen nicht mehr, denn ich bekam ein gutes Feedback von oben. Ich war mir sicher: Mir passiert nichts, und alles wendet sich zum Guten. Und so war es auch. Viele von den kirchlichen Ritualen waren und sind mir fremd. Ich habe nach der Freilassung versucht, mich der Kirche anzunähern, habe mich evangelisch taufen lassen. Aber es ist mir nie gelungen, mich der Kirche als Gemeinde anzunähern. Doch mein Glaube war und ist unerschütterlich.

„Sie wollten unsere Persönlichkeit brechen,
das war das erklärte Ziel.
Doch mein Glaube hat mir geholfen“.

 Und das war gut, denn in Hoheneck wollten sie unsere Persönlichkeit brechen, das war das erklärte Ziel. Hoheneck war ein Ort, wo man Hoffnung und Energie brauchte. Die Zuchthausatmosphäre war natürlich ein unsagbar guter Nährboden für alles, was mit Zukunftsdeutung einhergeht. Kartenlegen stand hoch im Kurs, mehr jedoch noch das Orakeln, obwohl beides streng verboten war. Alle Gefangenen haben jede Form von Spiritualität in sich aufgesogen wie ein Schwamm. Ich kann nicht mit Bestimmtheit sagen, was es bei mir war: Neugier, Hoffnung oder Glaube? Jeder Mensch braucht in einer ausweglos erscheinenden Situation etwas, woran er sich festhalten kann.

In Hoheneck gab es eine Sage um eine weiße Frau, die dort spuken sollte – es war überhaupt ein mystischer Ort. Ich erinnere mich an ein besonderes Erlebnis bei der ersten Kinovorstellung. Genau diese Situation hatte ich schon einmal geträumt. Das spürte ich mit großer Intensität. Ich hatte mich damals gewundert, warum in meinem Traum nur verhärmte Frauen im Kino ­saßen. Nun hatte mich diese schicksalhafte Traumszene in der Realität eingeholt.

massenzelleMassenzelle in Hoheneck für bis zu 36 Frauen

In Hoheneck hörte ich auch zum ersten Mal von den zwölf Heiligen Nächten: Die „Rauhnächte“ vom 25. Dezember bis zum 6. Januar stehen jeweils für einen Monat des neuen Jahres. Was man in dieser Zeit träumt, geht in jenem Monat in Erfüllung. Ich habe in der achten Nacht vom Transport in die Freiheit geträumt und bin wirklich im August entlassen worden.

Als ich 2011 erneut nach Hoheneck fuhr, wusste ich: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, mich der Vergangenheit zu stellen. Ich tat es ganz allein. Es hat sich so ergeben. Erstaunlicherweise war meine Zelle auf Planet III, die Nr. 73, die einzige, die offen war. Erst war die Angst groß, dann habe ich mich getraut, hineinzugehen. Ich hatte alles größer in Erinnerung. Selbst in der leeren Zelle kam es mir eng vor. Da sollen zwölf Doppelstockbetten und Schränke gestanden haben? Ich habe gebetet, weil ich dankbar war, die Zeit dort überlebt zu haben. Es war auch eine Genugtuung, dass die mich nicht kleingekriegt haben, denn in Hoheneck konnten sie mit dir machen, was sie wollten. Sie hätten die Zelle aufschließen, mich an die Wand stellen, erschießen und verscharren können. Man war nur eine Nummer.

Tatjana Sterneberg(siehe auch Berliner Kurier 07.11.2011)

Unrecht kann ich nicht ertragen. Schon in der Schule galt ich als kämpferisch. Zum Beispiel wenn Mitschüler benachteiligt wurden, nur weil ihre Eltern nicht Mitglied der SED waren. Oder für eine Klassenarbeit schlechter benotet wurden, weil diese nicht die gewünschten Lobeshymnen auf die Errungenschaften der DDR enthielt. Trotz Indoktrination war ich unpolitisch.

Mit meinem Ausreiseantrag berief ich mich auf die Menschenrechte und die geschlossenen Verträge zwischen West und Ost. In der Ideologie des DDR-/SED-Regimes war ich nun ein Staatsfeind, der „konsequent seine Ausreise fordert“ und mit allen Mitteln der DDR-Geheimpolizei verfolgt wurde. Nach der Verurteilung sollte ich im Frauenzuchthaus Hoheneck mit „Erziehung durch Arbeit“ als politisch Andersdenkende auf Linie gebracht werden. Der Praxis der NS-Zeit entsprechend, vegetierte ich mit 23 Mitgefangenen auf 24 Quadratmetern; größere Zellen waren mit bis zu 60 Gefangenen belegt.

zelle hoheneckHoheneck war berühmt für katastrophale Zustände, hier: Waterboarding-Zelle

Ausgelegt auf 600 Haftplätze, war Hoheneck 1974 mit über 1600 Frauen mehrfach überbelegt. Zwangsarbeit im Dreischichtsystem, unzureichende Ernährung, unzumutbare hygienische und medizinische Verhältnisse, Postzensur und militärischer Drill waren an der Tagesordnung. Zudem sollte der Einsatz von Stasispitzeln die Politischen zermürben; vermeintlich unbekannte Tatbestände sollten gegebenenfalls erneut justiziabel verwertbar gemacht werden.

Immer wieder kritisierte ich die unmenschlichen Haftbedingungen. Immer wieder wurden Arreststrafen gegen mich verhängt; letztlich 14 Tage strenger Arrest, nur weil ich mitbekommen hatte, wie eine Mitgefangene um ihr Leben schrie, und ich daraufhin die Arbeit verweigert hatte.

„Arrest und jede Menge
Psychopharmaka. Es ist ein Wunder,
dass ich überlebt habe“

Eine Metallblende schirmte die Fensterluke der Arrestzelle vor Licht und Kontaktaufnahme ab. Zwei Tigergitter trennten Liegepritsche (ohne Matratze) von Toilettenkübel. Ich erhielt täglich 200 bis 300 Gramm trockenes Brot und je ­einen Topf Malzkaffee, jeden dritten Tag ein warmes Mittagessen.

„Bei Nahrungsverweigerern ist das Wasser abzusperren und keine weiteren Getränke zu verabreichen“, heißt es in der Anweisung der Anstaltsleitung, die ich viele Jahre später im Staatsarchiv, Außenstelle Chemnitz, ausfindig machte. Nach fast drei Jahren Haft, im Oktober 1976, wurde ich im Arrest nicht ansprechbar auf dem Boden liegend aufgefunden. Ich wachte in der Krankenabteilung auf. Nach Rückverlegung in das Arbeitskommando konnte ich tagelang nicht sprechen, meine Sprache war wie gelähmt, wohl eine Folge erneut verabreichter Psychopharmaka. Die letzten Haftmonate habe ich wie durch einen Schleier erlebt und kaum noch agiert.

Nach dem Fall der Mauer habe ich Teile meiner StaSi-Akten einem Facharzt vorgelegt. „Über längere Zeit waren Ihnen verschiedene Psychopharmaka, auch Neuroleptika verabreicht worden, obwohl Sie unter Unruhe und Schlafstörungen litten. Dass Sie das überlebt haben, ist ein Wunder“, so seine erste Einschätzung. Sedativa und Psychopharmaka bewirken bei längerer Verabreichung und höherer Dosierung eine Ausschaltung der bewussten Wahrnehmung. Wer nichts wahrnimmt und sich nicht erinnert, kann nichts erzählen.

Dr. Renate Werwigk-Schneider(siehe auch YAHOO-Nachrichten 07.12.2012)

Im Zuchthaus in Frankfurt (Oder) hatte ich es vergleichsweise gut, ich durfte als Ärztin arbeiten. Aber in Hoheneck wollten sie mir es so richtig zeigen und haben mich als Kinderärztin ausgerechnet in eine Zwölferzelle mit lauter Kindesmörderinnen gesteckt. Die erzählten mir dann immer wieder ihre schrecklichen Geschichten. Überhaupt war die ganze Umgebung furchteinflößend.

Im Erdgeschoss unter uns saßen die alten Nazi­frauen, die grüßten noch mit „Heil Hitler“. Mir lief ein Schauer über den ­Rücken. Es war nur Abschaum dort, und dann hieß es auch noch: „Bild dir nicht ein, du bist was Besseres.“ Es regierte Neid und vor allem Hass, die Lebenslänglichen nahmen es übel, wenn man nur einige Jahre sitzen musste. Ich hatte immer Angst, man tut mir was an.

inhaftierte frauenInhaftierte Frauen um 1970 bei der Arbeit für den VEB Planet

Ich kam in die Bettwäscheproduktion. Ich sollte doch mal sehen, wie es sich als Arbeiter lebt. Mein Fluchtpunkt war die Kirche, das war ein Ort der Ruhe. Hier konnte ich mich mit anderen Politischen austauschen. Ansonsten war ich mit mir alleine, habe keinen Kontakt gesucht und bin allen aus dem Weg gegangen. Ich war unnahbar, keiner konnte mir was, aber ich fühlte mich wie eine lebende Leiche. Selbst zu den Wachteln war ich arrogant und von oben herab. Körperlich haben sie mir nichts getan, aber man hat mich spüren lassen, dass ich eine Verbrecherin war, auf einer Stufe mit Kriminellen. Das war meine größte Strafe.

„Man behandelte mich wie eine Verbrecherin,
ich war auf einer Stufe mit Kriminellen. Das war
für mich die größte Strafe“

Trotzdem war ich nie wirklich verzweifelt, denn in meinem Hinterkopf war immer die Hoffnung, dass ich in absehbarer Zeit wieder rauskomme. Die hygienischen Umstände mit Kübel statt Toilette waren schlimm, das Essen wohl auch. Aber das war mir egal. Mir war der Appetit völlig vergangen. Ich habe zehn Kilo abgenommen, sah aus wie ein Gespenst.

Meine Freilassung sah so aus: Es erschienen zwei Männer und sagten, ich ginge auf Transport. Dann brachten sie mich zur Stasi nach Karl-Marx-Stadt. Dort nahm mich nach längerer Wartezeit ein weiterer Stasimann in Empfang und teilte mir mit, man wolle mich heute entlassen und wohin ich denn entlassen werden wolle. Daraufhin sagte ich: „In die Bundesrepublik.“ Wir fuhren dann an die Grenze bei Wartha-Bebra und warteten. Keiner sprach ein Wort. Dann kam ein Mercedes mit Ostberliner Kennzeichen.

Die Rechtsanwälte Vogel (Ost) und Stange (West) stiegen aus. Ich bekam ein Paket mit all meinen Papieren und einen Blumenstrauß von meinen Eltern. Dann fuhren wir über die Grenze. Ein schwarzer Mercedes mit vier schwarz gekleideten Männern kam, ich musste mich zeigen. Dann hieß es: „Das ist die Richtige“, und ein Geldkoffer, es sollen 100 000 DM ge­wesen sein, wechselte den Besitzer. Später hörte ich, dass zusätzlich auch noch ein Spion für mich ausgetauscht worden war.

Kurz darauf, im Oktober 1968, habe ich meinen Freund geheiratet und das Hochzeitsfoto kommentarlos an meinen Vernehmer in Sofia geschickt, der mir damals prophezeit hatte, wir würden nie zusammenkommen. Das hatte Folgen. Es hieß, ich hätte damit den ganzen Freikauf gefährdet. Denn die Bulgaren waren empört, dass die Gefangenen, die sie brav auslieferten, von der DDR „verkauft“ wurden. Das hätten sie ja auch selber tun können.

Ich bin nicht wieder in Hoheneck gewesen, an diesen Ort des Schreckens wollte ich nie zurück. Mein Leben ist schön, ich mag es mir nicht vermiesen. Meine Therapie, das war über all die Jahre mein Beruf. Mit Kindern zusammen zu sein, ihnen zu helfen, hat mir gut getan. Die Zeitzeugenarbeit ist wichtig. Was in diesem Unrechtsstaat geschehen ist, darf nicht vergessen werden.

Nachweise:
http://chrismon.evangelisch.de/artikel/2012/der-dunkle-ort-14141
Frauenkreis Hoheneckerinnen http://www.frauenkreis-hoheneckerinnen.de/
Facharbeit „Schicksale weiblicher politischer Gefangener in der DDR – Strafvollzug Hoheneck“, Andrea Hornsteiner, 2010
Verraten und Verkauft“, Hoheneck war das Haus des Grauens
Stuttgarter Zeitung, 09.02.2010
Das Gesetz von Hoheneck“, die taz 13.11.2009
Hoheneck Blog unter http://hoheneck.wordpress.com/tag/frauengefangnis/

Pressekommentare zum Buch

Der dunkle Ort – 25 Schicksale aus dem DDR-Frauengefängnis Hoheneck
von Maggie Riepl und Dirk v. Nayhauß

„Das schlanke Buch ist ein Kompendium des Grauens.“
(Der Tagesspiegel)

„Nein – das Wort ,schlimm’ trifft die Art und Weise, wie man mit den Frauen umging, nicht. Jeder, der das Buch liest, erfährt: Hoheneck war ein Verbrechen an den Frauen.“
(Freie Presse, Chemnitz)

„25 exemplarische Schicksale aus dem DDR-Frauengefängnis Hoheneck werden in ,Der dunkle Ort’ von den politischen Opfern selbst erzählt, nicht larmoyant, sondern fast schon zu nüchtern. In jedem Fall aber heilsam gegen irgendwelche Rückfallsanfälligkeiten!“
(Das Magazin)

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4 Gedanken zu „Buchempfehlung: „Der dunkle Ort – 25 Schicksale aus dem DDR-Frauengefängnis Hoheneck“

  1. Der Oehme von Brandenburg könnte Rainer van Raemdonck heißen. Ebenfalls aus der Freiheit stammend war er nach eigenen Angaben DDR Bürger mit Reisepass. Den hatten in der DDR bekanntlich recht wenige Auserlesene. Eigenen Angaben zufolge blieb er dann einfach mal im Westen als ihm so war. Ein Schelm der böses dabei denkt. Haben ja schließlich alle DDR Bürger so gemacht. Wenn ihnen mal so war, dann fuhren sie einfach in den Westen.

    Anzunehmen, dass van Raemdonck eine geschickter Geschickter war und einfach einen Auftrag im Westen auszuführen hatte. Damit war allerdings nach der Wende eben kein Staat mehr zu machen.

    Heute bietet er nahe Falkensee ein Ferienhaus zur Miete, idealer Treffpunkt für Hinz und Kunz. Idealer Treffpunkt im dunklen Fäden zu spinnen.
    Brandenburg hat nächstes Jahr Landtags- und Kommunalwahlen. Da gibt es Posten und Pöstchen zu verteilen. Vollkommen egal, was man dann mit dem Posten macht. Parallelen zur DVU zeigen sich auf. Die saß ja mal zwei Legislaturperioden im Brandenburger Landtag und glänzte mit nichts tun.

  2.    Gerd Leonhardt Leos-musikstudio@t-online.de     Sehr geehrte Damen und Herren, erst einmal vielen Dank für diesen sehr interessanten Beitrag! Das solche Leute in unserer Partei sind, stößt mir ekelhaft auf! Ich habe auch ein Buch geschrieben über die DDR: “ So war es in der DDR und nicht anders. Aus dem Leben erzählt und nicht verklärt“! Beim Engelsdorfer Verlag in Leipzig im Mai erschienen.  Viel Spaß beim Lesen der ersten etwa 30 Seiten.  Gerd Leonhardt        

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