Wie könnte eine zukünftige, moderne Diktatur in Deutschland aussehen? Eine Anleitung zur Parteigründung. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und Parteien sind zufällig.

„Es muss demokratisch aussehen,
aber wir müssen alles in der Hand haben.“
– Walter Ulbricht, Staatsratsvorsitzender der DDR –
Marktorientierte Parteiplanung
Planen Sie ihre neue Partei wie ein Produkt. In einem Umfeld mit vielen etablierten Parteien benötigen Sie eine Nische, die von den aktuellen Parteien nicht bedient wird. Sammeln Sie dazu das Strandgut an Wählern und Parteigängern der Kleinparteien und an enttäuschten Mitgliedern und Wählern großer Parteien ein und bündeln Sie es in einer neuen Partei.
Beginnen Sie mit einer Wähleranalyse:
- Wahlergebnis der Kleinparteien:
Welche Kleinparteien sind einigermaßen erfolgreich?
Warum wurden diese Parteien gewählt?
Dies gibt Hinweise darauf, welche Produkteigenschaften einer Partei bei den Kunden (=Wählern) ankommen. Die Produkteigenschaften einer Partei beziehen sich nicht nur auf die Themen und Programmpunkte. Achten Sie auch auf das „Drumherum“!
- Nichtwähler: Warum gehen Wähler nicht mehr zur Wahl? Werten Sie dazu Umfrageergebnisse aus.
Eine Partei ist ein komplexes Produkt, mit vielen Eigenschaften und Abhängigkeiten. Mit den Methoden der kundenorientierten Produktplanung (z.B. Quality Function Deployment) können Sie systematisch die Produkteigenschaften (z.B. Themen, Lebensgefühl, Organisationsform ,…) der neuen Partei planen. Die neu geplante Partei sollte exakt die Produkteigenschaften haben, um erfolgreich das politische Strandgut der Kleinparteien (Wähler & Mitglieder) und der von den Altparteien Enttäuschten einzusammeln.
Programm-Populismus für die Nische
Mit der marktorientierten Produktplanung lassen sich systematisch die Produktfeatures/ Programminhalte für das Parteiprogramm ableiten: besonders erfolgreiche Programminhalte der übrigen Kleinparteien kommen ins Programm. Zueinander konträre Positionen der Kleinparteien werden weg gelassen – man schließt diese Themen bewusst aus und vertagt die Diskussion in eine „Programmkommission“. Schließlich sollen die Parteigänger geeint werden – und sich nicht etwa durch spaltende Themen zerstreiten.
Setzen Sie bewusst auf populäre Themen der Gegenwart, 2013 sind das die Euro-Krise, der teure Strom, vielleicht noch ein bisschen NSA-Überwachung und der Evergreen Einwanderung. Halten Sie das Parteiprogramm möglichst allgemein und sprechen Sie von „Pragmatismus“ und „gesundem Menschenverstand“.
Ergebnis: Ein Parteiprogramm, das attraktiv ist für die Parteigänger der Kleinparteien und die Frustrierten der Altparteien – selbst wenn sie aus politisch unterschiedlichen Richtungen kommen.
Vorbereitungsorganisation
Gründen Sie eine Vorbereitungsorganisation – möglichst als gemeinnützigen Verein. Über diesen Verein können Sie Networking betreiben und das treu ergebene Führungspersonal für die Parteigründung identifizieren. Für den Bund benötigen Sie sehr gut qualifiziertes und pressetaugliches Führungspersonal: Eine Powerfrau sollte dabei sein, ein Geisteswissenschaftler, gerne auch Unternehmer und Medienleute. Sie sollten um sich herum aber keine Konkurrenten hochzüchten. Nehmen Sie lieber einen Unternehmensgründer, der kurz vor der Pleite ist und auf Geld angewiesen ist. Für fachliche Positionen setzen Sie fachlich exzellente, verkopfte Kandidaten, die Arbeitsbienen ein – nicht die Rhetoriker.
Für die Gründung der Landesverbände benötigen Sie treu ergebene „Landesbeauftragte“ – das mittlere Management. Auch die große Masse an Mitläufern ist wichtig, am besten Sie haben bereits einige tausend Mitläufer zum Zeitpunkt der Parteigründung. Führen Sie Personendossiers, kategorisieren Sie Personen für mögliche Aufgaben, sammeln Sie auch persönliche Stärken und Schwächen und – kompromittierendes Material. Treten Sie nicht selbst als Führungskraft dieser Vorbereitungsorganisation auf – sie benötigen einen „neutralen Dritten“, der ihnen mit einer Kampagne den Weg bereitet. Suchen Sie sich einflussreiche Finanziers. Es gibt sicher jemanden, der ein Interesse an den Positionen hat, welche die Partei vertritt. Dort gibt es das Geld.
Gründung kurz vor Wahlen
Die Parteigründung sollte etwa 6-9 Monate vor der Bundestagswahl erfolgen. Damit haben Sie den Reiz des Neuen auf Ihrer Seite. Die Medien haben gar keine Zeit für fundierte Kritik und Analyse – Kritik tun Sie ab als „Zersetzungskampagne“ der Systempresse oder des Staatsfunks der „Block-Parteien“ CDUSPDFDPGrüne.
Der künstlich erzeugte Zeitdruck richtet den Focus auf die Bundestagswahl. Der Partei-Führer kann stets argumentieren, dass für Diskussionen jedweder Art keine Zeit ist. Oppositionelle innerhalb der Partei können als „Querulanten“ diffamiert werden, welche die Bundestagswahl torpedieren möchten. Mit dem Zeitdruck lässt sich auch das populistische Parteiprogramm beschließen und gegen Änderungen absichern (z.B. laut Satzung nur mit 75% Mehrheit änderbar). Jede Diskussion über politische Inhalte kann so abgewürgt werden. Die Programmdiskussion vertagen Sie am Besten in eine Programmkommission bestehend aus ein paar untauglichen Claqueuren. Die bewusst schlecht organisierte Programmkommission tagt zwar, wird aber nie ein Ergebnis liefern.
Errichtung der innerparteilichen Diktatur
„Gründungsparteitag“ in Berlin: Natürlich haben Sie die Partei schon mit einer kleinen Seilschaft gegründet. Sie kommunizieren per Email ein paar Neuigkeiten über die Partei im Aufbau und über die Männer der ersten Stunde – und halten die Spannung aufrecht. Wenige Monate später sollten Sie einen „Gründungsparteitag“ in Berlin abhalten. Auf dieser Massenveranstaltung sollten Sie das populistische Programm und die diktatorische Satzung beschließen. Orchestrieren Sie die Veranstaltung gut und bedienen Sie das Wir-Gefühl der neuen Parteimitglieder.
Gründung der Landesverbände: Ernennen Sie „Landesbeauftragte“ aus dem Pool des mittleren Managements (siehe Vorbereitungsorganisation). Die Landesbeauftragten halten die Gründungsversammlungen so ab, dass nur die eigene Seilschaft anreist – um aus ihrer Mitte linientreue Kandidaten in den Vorstand zu wählen:
- Termine werden so gelegt, dass fast niemand teilnehmen kann – entweder Werktags oder an wichtigen Feiertagen wie dem Ostersonntag
- Laden Sie kurzfristig ein – am besten nur 5 Tage vorher
- Vergessen Sie Mitglieder einzuladen. Begründen Sie dies mit dem Chaos der Parteigründung, man solle Verständnis haben, man mache all dies neben dem Beruf ehrenamtlich.
- Der Veranstaltungsort sollte möglichst schlecht erreichbar sein.
- Sperren Sie die Öffentlichkeit und Presse aus
So ist sicher gestellt, dass die eigene Seilschaft und Ihre Claqueure während der Gründungsversammlung in der Mehrheit sind und dass Ihre Getreuen in den Vorstand gewählt werden.
Gleichschaltung der Untergliederungen:
Mit der Gründung der Bezirks- und Kreisverbände wird ein System der gegenseitigen Abhängigkeit geschaffen. Die Landesvorstände suchen sich unterwürfige und treu ergebende Kandidaten, die den Landesvorstand als zukünftige Landesparteitags-Delegierte wieder wählen. So sichern sie sich auch die besten Listenplätze für die Bundestagswahl. Diese Mitläufer werden dann zu Gründungsbeauftragten der Untergliederungen ernannt. Im Gegenzug wird der Landesvorstand bei den Bezirks- und Kreisverbandsgründungen erscheinen und für die selektierten, linientreuen Kandidaten Werbung machen. Gesucht sind echte Mitläuferpersönlichkeiten, verkrachte Existenzen (Arbeitslose, bankrotte Kleinunternehmer etc.), die ihr Ego mit einem kleinen Posten aufpolieren wollen und auf ein Landtagsmandat als finanziellen Ausweg hoffen. Der Landesvorstand verspricht den Vorständen der Untergliederungen aussichtsreiche Listenplätze für die Landtagswahl.
Weitere Methoden der Gleichschaltung:
- Ihre Finanzordnung gesteht den Untergliederungen nur sehr wenig Geld
- Eigenwerbung und Propaganda über Webseite und Newsletter, parallel dazu enthalten Sie ihren Mitgliedern alle wichtigen Informationen vor, nur ausgewählte Günstlinge erhalten größere Informationshäppchen
- Der Landesverband lässt sich mit der Bestätigung missliebiger Kreisverbände Zeit, diese befinden sich im rechtlichen Status „in Gründung“, können kaum agieren. In den neuen Bundesländern gründen Sie Kreisverbände erst nach den Bundestagswahlen und säubern bis dahin die Landesverbände von kritischen und demokratischen Mitgliedern.
- Zentralisierung möglichst vieler Funktionen und Kompetenzen
- Der Landesvorstand hat das Kommunikationsmonopol zu hüten – Kommunikation hat nur von oben nach unten zu erfolgen! Die Kontaktaufnahme und Kommunikation unter Mitgliedern ist zu verhindern, bis alle Fakten geschaffen wurden. Zu diesem Zwecke haben Mitgliederlisten und Emailadressen nur in den Händen einiger weniger zu sein.
- Installieren Sie einen innerparteilichen Geheimdienst, um jederzeit über Abweichler informiert zu sein.
Wahlmanipulation
Sorgen Sie dafür das die innerparteilichen Wahlen so ausgehen, wie Sie das möchten:
- Parteiische Versammlungsleitung: Die Kontrolle über Versammlungen und Parteitage muss unbedingt in Ihren Händen sein. In den Untergliederungen übernehmen die Landesvorstände die Versammlungsleitung. Auf Bundes- und Landesparteitagen selektieren Sie die Versammlungsleiter. Eine bewährte Methode ist der Einsatz von Bundes-, Landesvorständen und Gründungsbeauftragten anderer Landesverbände. Der Versammlungleiter wird die Versammlung in Ihrem Sinne leiten, Werbung für Sie betreiben, vermeintliche Gegner unterbrechen und nicht zu Wort kommen lassen, das Publikum manipulieren und notfalls auch einen Versammlungsabbruch herbeiführen. Sollte die Lage in einem Landesverband explosiv sein, erscheint der Parteiführer höchstpersönlich und leitet die Versammlung.
- Diskreditierung der Mitbewerber und Kritiker – Bei Wahlen werden die Abweichler systematisch diskreditiert, ob mit Wahrheit oder Unwahrheit spielt dabei keine Rolle. Bringen Sie Gerüchte schon im Vorlauf der Versammlungen in Umlauf. Bei der Vorstellung werden mißliebige Kandidaten in ihrem Redefluss unterbrochen, bei der Fragerunde werden diskreditierende Fragen gestellt wie z.B. Sind Sie bei Scientology? Waren Sie nicht bei der linken WASG? Haben Sie als Unternehmer/Uniprofessor überhaupt Zeit für Ihr Amt? Irgend etwas findet sich immer. Haben Sie keine Scheu vor der Lüge. Die Kandidaten haben kaum eine Chance dies kurzfristig zu entkräften – meisten reicht es dann für den linientreuen Kandidaten.
- Späte Kandidatenvorstellung: Absolut unterbunden werden muss die frühzeitige Vorstellung guter Kandidaten. Universitätsprofessoren, erfolgreiche Unternehmer, Menschen mit einer guten Vita sollten möglichst spät die Gelegenheit bekommen, sich vorzustellen. Gewählt werden dann diejenigen, die bereits in der Partei bekannt sind.
- Nur die linientreuen Kandidaten sollen sich bekannt machen – nicht als Kandidaten, sondern versteckt in irgendeiner Kommunikation (Briefwechsel, Initiativen etc.). Landesvorstand und Gründungsbeauftragte nutzen ihr Monopol auf die Mitgliederlisten und Emailadressen zur Eigenwerbung und Propaganda der gewünschten Kandidaten.
- Blocklisten bei Aufstellungsversammlungen (Wahllisten): Bei der Aufstellung der Landtags- /Bundestagskandidaten ist die beste Methode zur Förderung linientreuer Kandidaten die Bildung von Blocklisten. Bei Blocklisten stehen jeweils mehrere Kandidaten auf einer Liste und man kann nur die ganze Liste wählen – und nicht einzelne Kandidaten. Begründet wird die Blockliste mit dem Zeitdruck, man hätte für das normale Verfahren keine Zeit, die Listenplätze einzeln mit Mehrheit zu wählen. Die aussichtsreichsten Listenplätze kann sich so der Landesvorstand absichern, die Blockliste mit den bekannten Personen aus den Reihen des Landesvorstands wird sicher gewählt. Gut geeignete Kandidaten (Universitätsprofessoren, erfolgreich Unternehmer etc.) werden stets mit Unbekannten oder Versagern zusammen auf einer Liste gruppiert – und haben so keine Chance.
- Wahl-/Versammlungsabbruch: Sollten etwa doch missliebige Kandidaten gewählt werden, ist die ultima ratio der Wahlabbruch. Suchen Sie zum Beispiel nach herumliegenden Stimmzetteln der Mitglieder, welche die Veranstaltung verlassen haben bzw. halten Sie einige Stimmzettel bereit, notfalls die eigenen. Erklären Sie dann die Wahl für ungültig. Auch Ihre linientreue Versammlungsleitung kann Versammlungsabbrüche initiieren.
Zersetzung Oppositioneller
Kommunikation abschneiden: Schneiden Sie Oppositionelle systematisch von der Kommunikation ab. Oppositionelle und Kritiker werden aus den Mailverteilern genommen. Die Ausrede ist stets: die Partei ist im Aufbau, die Leute machen es ehrenamtlich – und machen unter dem Zeitdruck Fehler.
Systematischer Rufmord: Verbreiten Sie unter ihren Günstlingen und Claqueuren und im Parteivolk Gerüchte und Unwahrheiten über Oppositionelle. Machen Sie Ihre Gegner vogelfrei. Sie werden erstaunt sein, wie schnell Ihre Kritiker und vermeintlichen Konkurrenten erledigt sind und desillusioniert aus der Partei austreten.
Parteiausschlussverfahren gegen gefährliche Kritiker und Konkurrenten: Oppositionelle, die an Adresslisten gekommen sind und zum Beispiel Anträge an Parteikollegen verschicken – werden wegen des Verstoßes gegen das Bundesdatenschutzgesetzes unter Druck gesetzt: man fordert die Herausgabe des Verteilers und droht mit Parteiausschlussverfahren. Das linientreu gewählte Schiedsgericht der Partei wird entsprechend entscheiden. Bombadieren Sie Kritiker auch mit Ordnungsmaßnahmen.
Einschüchterung nach dem Verlassen der Partei: Mancher Parteigänger hat von seinem Arbeitsplatz eine Email verschickt. Diesen Parteigängern wird angedroht, beim Arbeitgeber angeschwärzt zu werden. Derart eingeschüchterte offenbaren sich nicht der Presse.
Medienberichterstattung
Verschwörungstheorie: Setzen Sie konsequent auf eine Verschwörungstheorie der etablierten Parteien CDUSPDFDPGrüne. Sprechen Sie z.B. von den Euro-Blockparteien und von den gleichgeschalteten Medien, der Systempresse.
Opferkult: Die Partei sollte sich stets als Opfer darstellen. Erwecken Sie den Eindruck, dass Ihre Parteigänger verfolgt werden – durch Schmutzkampagnen, durch gewalttätige Gegner. Wenn der politische Gegner die Partei ignoriert, dann muss eben nachgeholfen werden, z.B. durch zwei maskierte Störer auf einer Veranstaltung.
Klagewelle gegen Kritiker: Verklagen Sie kritische Journalisten und Verlage. Es ist unwichtig, dass es kaum Rechtsgrundlagen dafür gibt – Prozesse schüchtern ein. Ferner neigen Richter und Anwälte zum Vergleich. Damit bleiben Journalisten und Verlage immer auf einem Teil der Kosten sitzen – und sie werden zukünftig vorsichtiger, zurückhaltender schreiben.
Plündern Sie das Volk, finden Sie Sündenböcke!
Nutzen Sie den Idealismus und die Begeisterung Ihrer Mitglieder zum Eintreiben von Geld- und Sachspenden für die Partei.
Nach der Machtergreifung wird richtig abkassiert, auch durch die Finanziers. Beispielsweise könnte ein hypothetisches Adelsgeschlecht einen Verein gegründet haben, um die neue Partei zu stützen und um Reparationsansprüche für enteignete Ostgebiete anzumelden. Die Rückgabe/Entschädigung der Ost-Latifundien wird aber nicht umsonst geschehen. Der Steuerzahler wird dafür bluten müssen. Das Volk wird jammern, suchen Sie sich daher rechtzeitig geeignete Sündenböcke. Sündenböcke haben den Vorteil bestraft werden zu können und lenken von Problemen ab – eine weitere potentielle Einnahmequelle!
An dieser Stelle schließen wir mit den Worten von Pinky and the Brain:
Pinky: „Hey Brain! Was wollen wir denn heute Abend machen?“
Brain: „Genau das selbe wie jeden Abend, Pinky.
Wir versuchen, die Weltherrschaft an uns zu reißen!“




















