AfD auf Anti-Islam-Kurs? Es fremdelt in der Heldenstadt Leipzip

Viele Attribute verbindet der geneigte Deutschland-Kenner mit Leipzig: bedeutende Messestadt, Thomanerchor, Sitz des damals höchsten Deutschen Gerichts (Reichsgericht 1879-1945), Sitz des Bundesverwaltungsgerichts, Heldenstadt, Universität (Alma Mater Lipsiensis), Jazzakademie, Hochschule f. bildende Künste u.v.m.

Im Jahre 1165 verlieh der Markgraf von Meißen, Otto der Reiche, den Leipzigern das Stadtrecht. Dies war verbunden mit dem sog. Marktrecht. Zudem erlaubte der Landesherr im Jahre 1190 zwei „Jahrmärkte“ pro Jahr (Frühjahr und Herbst), den Vorläufern der Leipziger Messen. Die Stadt lag günstig an der Schnittstelle der Via Regia (von Paris bis Riga) und der Via Imperii (von Stettin bis Rom). Die begünstigte den raschen Aufstieg zum bedeutendsten Handelsplatz Zentraleuropas (seit 1497 „Reichsmessestadt“). Der Leipziger Brühl wurde im Laufe der Jahrhunderte neben London zum internationalen Handelszentrum der Pelzwirtschaft. Leipzig gilt als ältester Messeort der Welt. Eine ähnliche Rolle nahm nur noch Frankfurt am Main ein. Seit dem 17. Jahrhundert erfährt Leipzig, die Perle des Deutschen Handels, immer wieder bedeutende Einwanderungsschübe, u.a. aus Frankreich und Italien.

viae

 als einzige Stadt lag Leipzig über Jahrhunderte hinweg
an den beiden wichtigsten Handelsrouten Europas:
Der Via Regia und der Via Imperii

Doch das weltoffene Leipzig hat noch mehr zu bieten, z.B. eine jahrhundertelange Musiktradition. Neben Johann Sebastian Bach wirkte auch Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig. Der Thomanerchor und das Gewandhaus-Orchester genießen bis heute Weltruf. Am 02.04.1843 begründete Felix Mendelssohn Bartholdy mit dem „Conservatorium der Musik“ die erste Musikhochschule Deutschlands dfb

 Der Deutsche Fussballbund e.V.
wurde am 28.01.1900 in Leipzig gegründet

Damit nicht genug. Das weltoffene, liberale und tolerante Leipzig ist bis heute neben Frankfurt/M. die bedeutendste Stätte des freien Wortes als historisches Zentrum des Buchdrucks. 1650 erschienen erstmals die Einkommenden Zeitungen sechs mal pro Woche. Sie gelten damit als älteste Tageszeitung der Welt. Die Universität zählt zu den ältesten Hochschulen in Deutschland (seit 1409). Napoleon wurde in der Völkerschlacht bei Leipzig anno 1813 besiegt. 1915 wurde der größte Kopfbahnhof Europas für die vielen hunderttausend Gäste aus aller Welt eingeweiht. 1900 konstituierte sich hier der Deutsche Fußball-Bund. Der VfB Leipzig war 1903 der erste deutscher Fußballmeister. 1989 leiteten die von der Nikolaikirche ausgehenden Montagsdemonstrationen das Ende der DDR mit ein. Widerstand gegen Unrecht und Intoleranz treibt die Leipziger auf die Straße.

einkommende zeitung Die „Einkommende Zeitung“ in Leipzig
erschien ab dem 01.07.1650 als erste Tageszeitung der Welt

Last but not least: Einer der wichtigsten Köpfe des zivilen Widerstandes gegen das NS-Regime war Carl Friedrich Goerdeler. Der Oberbürgermeister von Leipzig, gläubiger Christ, gewählt 1930, trat 1936 demonstrativ zurück, als die Nazi-Schergen das Denkmal des jüdischen Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy abrissen. Goerdeler (geboren 1884, hingerichtet 1945) spiegelt in seiner Zerrissenheit als monarchisch geprägter Berufsbeamter einerseits, und ethisch verantwortlich Handelnder andererseits durchaus den Zeitgeist wider: Treue zur Obrigkeit, Pflichtbewußtsein mit moralischen Grundsätzen. Im Gegensatz zu den meisten Deutschen bewahrte er jedoch seine moralisch-ethischen Überzeugungen auch während der NS-Diktatur, nicht ohne mit der Weimarer Republik gehadert zu haben. Dies führte ihn trotzdem zum militärischen Widerstand um Graf Stauffenberg gegen das Hitler-Regime. Wäre das Attentat auf Adolph Hitler am 20.07.1944 geglückt, hätte Goerdeler das Amt des Reichskanzlers bekleidet.

Carl Friedrich Goerdeler Carl Friedrich Goerdeler (1884-1945)
Oberbürgermeister von Leipzig von 1930-1936
Kopf des zivilen Widerstandes gegen Adolph Hitler

 Kurzum: Leipzig ist mit seinen 520.000 Einwohnern in vielerlei Hinsicht eine moderne, weltoffene, tolerante, lebens- und liebenswerte Stadt. Künstler werden ob der Vielfalt magisch angezogen. Leipzig ist hipp. Am 23. September 2008 erhielt die Stadt zurecht den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.

Der Titel ist jedoch in Gefahr. Ein Gotteshaus soll im Stadtteil Gohlis gebaut werden. Das Abendland, so glaubt manch braver Sachse, sei in Gefahr, denn das Gotteshaus wird eine Moschee sein. Die Leipziger Volkszeitung vom 29.10.2013 berichtet, die NPD habe zum 02.11.2013 zu einer Massendemonstration aufgerufen. Diese werde unterstützt von einer mehrere tausend Sympathisanten umfassenden Bürgerinitiative „Gohlis sagt NEIN“. Nach Recherchen der Leipziger Internetzeitung vom 27.10.2013 haben Rechtspopulisten, Islamhasser und Antidemokraten dort das Sagen. Offiziell taucht die NPD indes nicht auf. Gleich wohl – so stellt Juliane Nagel von LINXXET am 29.10.2013 fest – marschierten NPD und Bürgerinitiative Hand in Hand (siehe auch bestätigende Interviews mit NPD-Funktionären in SPIEGEL-TV vom 20.10.2013).

Umso verstörender sind die Unterstützer der Bürgerinitiative. Bei Zeichnern der Online-Petition tauchen auch AfD-Mitglieder auf, z.B. der Bauunternehmer Achim Solbach, graue Eminenz der Leipzig-AfD, siehe Petitionsunterschrift vom 29.10.2013. Im Chatroom der Bürgerinitiative macht Solbach aus seinem Herzen keine Mördergrube:

 Achim Solbach (Leipzig) – 30.10.2013 12:32 Uhr
..weil die Flutung Europas mit orientalischen und negroiden Stämmen der Verwirklichung eines alten Plans folgt. Weil durch Kulturvermischung Kulturvernichtung entsteht (wie oben gewollt). Weil während des Zeitraums der 11 NSU-Morde 1064 ethnische Deutsche von Migranten ermordet worden sind. Weil Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort nur einen Bruchteil der Kosten in Europa ausmachen würde und weil diese Vorgehensweise wesentlich menschenwürdiger wäre.

Quelle (öffentlich einsehbar):
https://www.openpetition.de/petition/kommentare/keine-moschee-in-leipzig-gohlis-buergerinitiative-gohlis-sagt-nein?sortierung=datum abgerufen am 31.10.2013

70 Glaubensbrüder möchten in Leipzig einen Gebetsraum schaffen, der max. 100 Personen fasst (Leipziger Volkszeitung 10.10.2013). Dies nennt Achim Solbach „Flutung … mit orientalischen und negroiden Stämmen“.

montagsdemonstration Montagsdemonstration 1989 in der Heldenstadt Leipzig
Gedenken an die Opfer der SED-Verfolgung

Solch fremdenfeindliche, gar rassistische Intonation hört man des öfteren in der AfD Leipzig. Uwe Wurlitzer, vor wenigen Tagen zum Kreisvorsitzenden gewählt, sagte gegenüber dem Deutschlandfunk: „Na ja, der Islam ist ja nun doch ein bisschen problematisch. Er hetzt gewisse Leute auf und passt eigentlich meines Erachtens auch nicht zu Deutschland. Und da bin ich auch nicht der einzige, der das so sieht“ (Deutschlandfunk am 22.08.2013, siehe Text oder AUDIO). Der ISLAM hetzt also, nicht etwa die Menschen! Und in Leipzig zieht der ISLAM marodierend durch die Straßen?

Tatsächlich gilt die Ahmadiyya-Gemeinde als die friedlichste überhaupt. Sogar der Verfassungsschutz stuft diese Glaubensgemeinschaft als völlig bedenkenlos ein (SPIEGEL TV vom 20.10.2013). Ahmadiyya genießt sogar als einzige islamische Religionsgemeinschaft in Deutschland das Privileg einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft (wie z.B. die beiden großen christlichen Kirchen), berichtet DIE ZEIT am 13.06.2013. Protest gegen friedlich Betende?

Auch ein anderer prominenter AfD-Vertreter wettert oft und gerne gegen den Islam: Dr. Hans-Thomas Tillschneider, wie Uwe Wurlitzer im Leipziger AfD-Vorstand.

Dr. Hans-Thomas Tilschneider Dr. Hans-Thomas Tilschneider, bekennender Islamgegner
AfD-Vorstand Leipzig

Tillschneider hatte bereits versucht, auf dem Gründungsparteitag der AfD am 14.04.2013 in den Bundesvorstand zu gelangen. In seiner Bewerbungsschrift gab er seine politische Einstellung bekannt. In Deutschland dürfe eine Religion nicht „eigene Feiertage (und) staatlich finanzierte Fakultäten“ an den Universitäten für sich reklamieren. Wer jetzt glaubt, Tillschneider nehme eine liberale Haltung ein, fordere die strickte Trennung von Staat und Kirche oder verlange religiöse Toleranz, wird schnell eines Besseren belehrt. Der Dozent an der Universität Bayreuth für „Islamwissenschaften“ wird deutlicher: „Dagegen halte ich fest: Der Islam ist eine uns fremde Religion, die eben deshalb nicht die gleichen Rechte wie das Christentum einfordern kann“ (Quelle: Bewerbungsschreiben Tilschneider zum Bundesparteitag am 14.04.2013 siehe auch PiratenWiKi). Der Islam sei, so Tilschneider, eine „infantilen Theologie“ (FAZ 22.07.2013), die ausgemerzt gehöre. Steht im Grundgesetz (Art. 3) nicht etwas vom Gleichbehandlungsgebot vor dem Gesetz?

Art. 4 Abs. 1 GG: „Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich“.

Art. 4 Abs. 2 GG: Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet“.

Dass Tilschneider, laut Lebenslauf geboren in Temesvar und spätausgesiedelter Rumäne mit deutschem Pass, die Toleranz und Großzügigkeit der Bundesrepublik Deutschland in Anspruch nehmen durfte, verschweigt er gern. Er gilt als AfD-Thinktank für religiöse Fragen. Auf Facebook haben sich bemerkenswert viele Mitglieder der islamfeindlichen Partei DIE FREIHEIT als „Freunde“ bei ihm registriert, z.B. Julien Wiesemann (Bundesvorstand FREIHEIT), Thomas Jung (Ex-Landesvorstand FREIHEIT in Brandenburg, jetzt AfD Landesvorstand Brandenburg) und Lutz Krüger (Landesschatzmeister FREIHEIT in Sachsen).

AfD Leipzig AfD-Kreisvorstand Leipzig
rechtsaußen: Dr. Hans-Thomas Tilschneider, zweiter von rechts: Uwe Wurlitzer
in der Mitte: Pfarrersfrau Frauke Petry

Das Sturmgewehr im Internet der fundamentalchristlichen Partei DIE FREIHEIT, der Blog „Political Incorrect“ (wird von bayerischen Verfassungsschutz beobachtet), hetzt „eine Islamisierung des ganzen Stadtteils, ein unerträgliches vermehrtes Verkehrsaufkommen, eine erhebliche Zunahme der Straftaten und auch Unruhen innerhalb der Moslemgemeinschaft“ werde nun die Folge sein in Leipzig. DIE FREIHEIT hatte vor einigen Tagen die Selbstauflösung zugunsten der AfD angekündigt.

Leipzig war jahrhundertelang reich: materiell, kulturell, religiös, künstlerisch, sportlich, geistig, wissenschaftlich und philosophisch. Diesen Reichtum erarbeiten sich die Leipziger seit der Wende 1989 allmählich, stetig und immer erfolgreicher zurück. Werden intolerante Tendenzen diese Entwicklung stoppen? Oder mausert sich die AfD zu einer wirklich liberalen Partei, die eine Rückkehr der FDP auf die politische Bühne ausschließt? Der Protest in Leipzig heißt: GEGEN RELIGIÖSE INTOLERANZ! Für ein friedliches Miteinander der Glaubensgemeinschaften.

Autor: Jochen Schroeder

Prof. Dr. Ludwig Cromme an die Mitglieder der AfD Brandenburg – Scheel und seine Getreuen wollen eine Kaderpartei nach SED-Vorbild aufbauen

An die Mitglieder und Förderer der Alternative für Deutschland Brandenburg

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Parteifreunde, liebe Förderer und Freunde der Alternative für Deutschland,

mit einem unglaublichen Einsatz haben wir bei der Bundestagswahl zwar nicht das erhoffte, aber doch ein ganz hervorragendes Ergebnis erzielt. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik hat eine Partei so schnell so viele Wähler gewonnen. Aber der Erfolg steht noch auf wackeligen Füßen. Schon viele Parteigründungen sind in den letzten Jahren hoffnungsvoll gestartet und dann genau so schnell wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.

Unsere ausschließliche Konzentration auf den Wahlkampf hat viele andere Probleme in den Hintergrund gerückt. Wenn wir diese aber nun nicht bald energisch angehen und lösen, werden sich unsere Erfolge als Strohfeuer erweisen.

Schon beim Landesparteitag am 28.4. 2013 wurden die Rechte der Mitglieder grob missachtet: Von den (angeblich) 280 Mitgliedern am 28.4. wurden 148 Mitglieder und Förderer nach einer manipulierten Mitgliederliste eingeladen und schließlich nur 44 stimmberechtigt von Herrn Roland Scheel zu gelassen. Während also auf der einen Seite dem Großteil der Mitglieder die Teilnahme verwehrt wurde, gibt es andererseits Hinweise darauf, dass selbst nicht Geladene zugelassen wurden, wenn Herr Scheel das für opportun hielt.

Dieses war nach Einschätzung kompetenter Juristen bereits so rechtswidrig, dass der gesamte Landesparteitag damit irrelevant ist. Einigen Mitgliedern gelang es, teilweise unter Androhung rechtlicher Schritte, sich trotzdem Zugang zu verschaffen. Selbst vor diesem von ihm fast handverlesenen Publikum und obwohl es nicht einmal einen Gegenkandidaten gab, bekam Roland Scheel nur 28 Stimmen. Rund 90% der Mitglieder durften also gar nicht erst wählen oder haben gegen ihn gestimmt.

Unklar bleibt, ob nicht selbst dieses Stimmergebnis noch geschönt war. Warum wohl hat Herr Scheel sich einen gar nicht gut beleumundeten und in diverse dubiose Machenschaften verwickelten Herrn Dettleff Schilde aus Bayern geholt, um ihn als Wahlleiter einzusetzen??? Siehe: https://alternativernewsletter.wordpress.com/dettleff-schilde-dvd-special/

Warum war selbst die Feststellung der Zahl der stimmberechtigten Teilnehmer für Herrn Schilde so schwierig? Was wurde da noch alles gemauschelt?

Der Landeswahlleiter Brandenburg hätte in Kenntnis dieser Umstände den Wahlantritt der Alternative in Brandenburg stoppen müssen, wie mir ebenfalls von Juristen bestätigt wurde. Das war auch der Grund, warum ich diese Umstände vor der Wahl nur vorsichtig in der Öffentlichkeit angesprochen habe. Bei der Wahl zwischen Skylla und Charybdis, zwischen unserem Ausschluss von der Bundestagswahl und einer Verschiebung dieser Diskussion auf die Zeit nach der Wahl, habe ich mich für letzteres entschieden. Dass Scheel und seine Clique trotzdem die ganze Zeit versuchen, mich und andere innerhalb und außerhalb der Partei zu diskreditieren, zeigt, wes Geistes Kind sie sind.

Dass Herr Scheel das Protokoll des LPT in Nauen nicht einmal den Teilnehmern zugeschickt hat und auch nicht zu schicken will, kann da wohl niemanden mehr überraschen.

Oder, wie ich es von Mitgliedern schon mehrfach zu hören bekam: „Scheel und seine Getreuen wollen eine Kaderpartei nach SED-Vorbild aufbauen“.

Der Landesvorstand ist dank Scheel und Co heillos zerstritten, es geht ihm nur noch um den Kampf gegen vermeintliche Feinde. Mehrere Mitglieder des Vorstandes haben ihren Rücktritt erklärt, andere haben sich, nachdem sie von Scheel, van Raemdonck und Co gemobbt wurden, innerlich zurück gezogen.

Scheel und Co sabotieren Beschlüsse des Bundesvorstandes und diskreditieren dadurch die gesamte Partei. Nur ein aktuelles Beispiel: Obwohl der Bundesvorstand die Aufnahme von Mitgliedern der DVU ausdrücklich verboten hat, hat Herr Scheel zur Stärkung seiner Machtbasis ein solches gerade nicht nur aufgenommen, sondern auch gleich mit der verantwortlichen und hervorragenden Position eines Kreisbeauftragten betraut; siehe dazu den entsprechenden Artikel in der Märkischen Allgemeinen: http://www.maz-online.de/Lokales/Brandenburg-Havel/Brandenburger-Polit-Irrlicht-jetzt-bei-der-AfD

Mehrere Mitglieder des Landesvorstandes haben Erfahrung darin, eine Partei in die Bedeutungslosigkeit zu führen. Wenn wir ihnen nicht bald Einhalt gebieten, werden sie dieses auch mit der Alternative praktizieren.

Dies alles ist nur eine kleine Auswahl der Vorkommnisse, über die ich ein ganzes Buch verfassen könnte. Selbst wenn man sich nur auf Scheels eigene Aussagen bezieht, gibt es schon allein beim Landesparteitag in Nauen am 28.4. zahlreiche weitere schwer wiegende Verletzungen grundlegender Rechte der Mitglieder. Wer diese Gruppe aus der Nähe erlebt hat, wird eigene Kapitel dazu steuern können. Ich selbst bin unglaublichem Druck und übelster Diffamierung ausgesetzt, bekomme aber auch immer öfter Schreiben von Mitgliedern, die dieses nicht länger tolerieren wollen und sich von diesem Treiben distanzieren.

Daraus ergeben sich für mich folgende Forderungen an den Bundesvorstand:

1.) Der Bundesvorstand hat sich nunmehr endlich kurzfristig zu den erhobenen Vorwürfen zu positionieren.
2.) Dem Landesvorstand ist wegen fehlender demokratischer Legitimation vom Bundesvorstand die Ausübung seines Amtes zu untersagen.
3.) Es ist ein neuer Gründungsparteitag einzuberufen
4.) Über das sonstige weitere Vorgehen ist im Einvernehmen mit in die geschilderten Machenschaften nicht verwickelten Mitgliedern des Landesverbandes Brandenburg kurzfristig Einvernehmen her zu stellen.

Alle in diesem Schreiben aufgestellten Behauptungen kann ich selbstverständlich belegen und werde dies auch öffentlich tun, wenn sie von Scheel bestritten werden sollten.

Was können Sie tun?

1.) Scheel versucht, den Informationsaustausch zwischen den Mitgliedern zu verhindern. Deshalb kann ich dieses Schreiben nur an die mir vorliegenden Emailadressen leiten. Bitte leiten Sie dieses Schreiben an Ihnen bekannte Mitglieder weiter; diskutieren Sie darüber mit Parteifreunden z. B. auch bei Treffen auf Kreisebene. Sollten Sie dieses Schreiben deshalb mehrfach erhalten, bitte ich angesichts der Umstände um ihr Verständnis.

2.) Geben Sie mir eine Rückmeldung. Schreiben Sie mir, ob Sie sich meinen Forderungen anschließen. Das stärkt unsere Position auch gegenüber dem Bundesvorstand. Wenn wir uns noch nicht persönlich kennen, geben Sie mir dabei bitte Ihre vollständigen Kontaktdaten einschließlich Anschrift, Kreisverband und teilen Sie mir bitte auch mit, ob Sie Mitglied oder Förderer der Alternative für Deutschland sind.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Ludwig Cromme

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Prof. Dr. Ludwig Cromme
Alternative für Deutschland
Mitglied des Bundesvorstandes bis 14.4.2013
Landesbeauftragter der WA2013 2012/2013
AlternativeBrandenburg@gmail.com
Tel.: 0355 473 100
Fax: 0355 473 101

Autokrat Dilger kündigt seinen Rücktritt als Sprecher der AfD NRW an – Kampf um die Futtertröge

Der Sprecher des AfD Landesverbandes NRW, Prof. Alexander Dilger, kündigte seinen Rücktritt zum Parteitag der AfD NRW am 30.11.13 an, nachdem ihn zahlreiche Mitglieder dazu aufgefordert hatten. Sein Stellvertreter, Martin Renner, war nicht zum Rücktritt und damit auch nicht zur Übernahme poltischer Verantwortung für das schlechte Wahlergebnis der AfD in NRW bereit. Allerdings trat der Landesschatzmeister Jörg Burger mit sofortiger Wirkung zurück. Mittlerweile sind auch drei Beisitzer, die Herren Wilhelm Esser, Reiner Rohlje und Marcus Pretzell zurückgetreten. Herr Esser ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten, die anderen beiden wie Dilger zum Parteitag. Außerdem hat Frau Kerstin Garbracht als kooptiertes Vorstandsmitglied ihren Rücktritt zum Parteitag erklärt. Dilger sieht „keine Grundlage mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit“ im Landesvorstand.

Gleichzeitig beschloss der Landesvorstand „mehrheitlich“, Herrn Andreas Keith, der dem Lager des stv. Landes-Sprechers Martin Renner zugerechnet werden darf, als Interims Geschäftsführer mit Sitz in Düsseldorf, zu beschäftigen.

Damit ist die Runde zwei des NRW- Machtkampfes zwischen Dilger und Renner an Martin Renner gegangen. Dilger liegt angeschlagen am Boden. Ob er noch mal nach aufstehen kann, ist ungewiss und wird sich auf dem Landesparteitag am 30.11.13 entscheiden. Der Austragungsort der dritten Runde wurde ins weit abgelegene, sauerländische Arnsberg gelegt. Renners Truppen können also hoffen, dass die Zahl der anreisenden Mitglieder überschaubar bleibt.

Die Prognose, dass der überflexible Dilger mit dem „Start up“ in NRW überfordert sei, hat sich als richtig herausgestellt. Viel interessanter als die Niederlage des liberalen Landessprechers ist seine Isolierung im Landesvorstand. Die Zerreißprobe zwischen dem libertären und dem rechtskonservativen Lager hat die AfD in NRW voll erwischt. Man darf gespannt sein, wer den Mut sich hat, sich unter dem Strippenzieher Renner und seinem „Geschäftsführer“ Keith als nächstes die Finger zu verbrennen.

In Wirklichkeit wird es am 30.November in Arnsberg nicht um den ehrenamtlichen Posten eines Landessprechers, sondern um die Pole Position im Rennen um einen sicheren Listenplatz für die Europawahl gehen. Bernd Lucke ist auf Platz 1 gesetzt. Das AfD-Sternchen Petry aus Sachsen ist am abstürzen. Spätestens aber auf einem der vermeintlich sicheren Plätze 3, 4 oder 5 wird sich eine Kandidaten/ eine Kandidatin aus dem mitgliederstärksten Landesverband NRW finden. Ob dieser Name dann Bahlke, Bell, Dilger oder Renner heisst, wird darüber Aufschluss geben, welches der zerstrittenen Lager die Oberhand gewinnen wird.

Buchempfehlung: „Der dunkle Ort – 25 Schicksale aus dem DDR-Frauengefängnis Hoheneck“

Buchempfehlung zum „Haus des Grauens“ in Sachsen

Katrin Uhlmann, ließ sich vor wenigen Wochen zur Schatzmeisterin der „Alternative für Deutschland“ in Chemnitz inthronisieren. Sie ist die „Whistle-Blowerin“ für AfD-Sternchen Frauke Petry, um demokratisch gesinnte Kräfte in Sachsen „endgültig zu erledigen“ (Katrin Uhlmann am 13.08.2013 per E-Mail). Ihre Zeit als DDR-Wärterin auf der Burg Hoheneck (Stollberg/Erzgebirge) bot eine gute Grundausbildung: Folter, Willkür, Unrecht – exekutiert von den Wärterinnen (Insassen nannten sie „Wachteln“). In der TV-Serie „Weissensee“ (ARD) über das Schicksal echter DDR-Opponenten und StaSi-Schweine spielt das Frauen-Folter-Zuchthaus Hoheneck eine zentrale Rolle (siehe Rezension DIE WELT 17.09.2013).

Katrin Uhlmann verharmlost oft und gerne. Bis heute stellt sie ihre Folteranstalt als „normales Gefängnis“ dar, wo Inhaftierte „nicht ohne Grund“ gesessen hätten. Den AfD-Mitgliedern schwindelt sie vor, gleich nach der „Wende“ (1990) den Dienst auf Hoheneck quittiert zu haben, natürlich in Opposition zur SED. Auch in der Zeit nach 1945 gab es plötzlich keine Nationalsozialisten mehr, nur Widerstandskämpfer. Selbstkritik kannten eingefleischte Nazis nie. Hier reichen sich NS- und SED-Schergen die Hand.

SED Wir wollen aufklären.

Bautzen kennt jeder. In der dortigen Justizvollzugsanstalt saßen die Männer ein. Die wenigsten aber wissen, dass es in der DDR auch ein Frauengefängnis mit ähnlich brutalen Zuständen gab: die Strafvollzugsanstalt Hoheneck im sächsischen Stollberg (Erzgebirge), „Das vergessene Verließ“ (Tagesspiegel 13.06.2011). Eine Burg mit hohen Mauern, Stacheldraht und Elektrozäunen. Hier saßen nicht nur Kriminelle ein, sondern auch und vor allem Regimegegnerinnen und Republikflüchtlinge (etwa 2/3 der Gefangenen). Die Gefangenen litten unter Kälte, minderwertigem Essen und den brutalen Behandlungen durch das Wachpersonal (die Wärterinnen wurden „Wachteln“ genannt). In drei Schichten wurde Tag und Nacht in den Gefängnisbetrieben gearbeitet.

Uhlmann Ex-SED Katrin Uhlmann, Frauke Petrys Whistle-Blowerin in Chemnitz,
POS „Hans Eisler“ Karl-Marx-Stadt 1973 – 1975,
POS „Carl Bobach“ Karls-Marx-Stadt 1975 bis 1984,
Betriebsberufsschule (BBS) des VEB Fettchemie Karl-Marx-Stadt 1984 bis 1986,
Wärterin im Frauenzuchthaus Hoheneck 1986 bis 1997 (genannt „Wachtel“),
TU Darmstadt (Informatik) 1997 bis 2002,
seit 2002 i.d.R. arbeitssuchend, seit 04/2013 AfD,
kandidierte auf dem AfD-Landesparteitag am 28.04.2013 (Leipzig)
für einen Listenplatz zum Deutschen Bundestag;
will am 24.10.2013 auf dem Kreisparteitag in den Vorstand gewählt werden
und zementiert damit die Machtstrukturen der SED-Folterknechte in Sachsen

In den 1970er Jahren saßen zeitweise über 1.600 Frauen in dem hoffnungslos überbelegten Zuchthaus, das für 600 Personen ausgestattet war. Die Opfer des SED-Regimes werden öffentlich kaum wahrgenommen. Doch Leidtragende einer Diktatur dürfen nicht vergessen werden. In dem Buch erzählen 25 Frauen, die zwischen 1949 und 1989 als „Politische Gefangene“ inhaftiert waren von ihren Erlebnissen auf Hoheneck, der wohl brutalsten Haftanstalt der DDR. Sehenswerte TV-Dokumentationen berichtet Erschütterndes, staatlich organisiertes Verbrechen an Frauen:

 ARD 09.11.2011 (Mediathek): „Die Frauen von Hoheneck
SPIEGEL-TV 25.09.2009: „Unter Verschluss – Die geheimen Schicksale der DDR-Frauen

Ulrich Oehme Ulrich Oehme,
Ex-SED, Ex-FREIHEIT, Fundamentalchrist,
Frauke Petrys AfD-Kreisbeauftragter in Karl-Marx-Stadt,
schützt und verteidigt seine ehemalige Genossin Katrin Uhlmann,
will am 24.10.2013 zum Kreisvorsitzenden gewählt werden;
strebt mit Katrin Uhlmann ein Landtagsmandat in Sachsen an (2014),
zementiert die Okkupation des Landesverbandes Sachsen durch DIE FREIHEIT

 Die Opfer des SED-Regimes werden öffentlich kaum wahrgenommen, doch die Leidtragenden einer Diktatur dürfen nicht vergessen werden, denn die Täter streben nicht erst seit 1990 in die bundesrepublikanischen Strukturen. Sie tun es heute noch, z.B. in der AfD. Sie treten auf jene, die diese „Hölle der Frauen“ (DIE WELT 13.05.2011) überlebten.

Der dunkle Ortein bedrückendes Portrait von 25 Frauen, die das DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck überlebten
Der dunkle Ort – 25 Schicksale aus dem DDR-Frauengefängnis Hoheneck
von Maggie Riepl und Dirk v. Nayhauß, ISBN 978-3-937233-99-4,
Leseprobe (klicken)

Die Trutzburg aus dem 13. Jahrhundert war eines der schlimmsten Zuchthäuser der DDR. Im Frauengefängnis Hoheneck herrschten verheerende Zustände: überbelegte Zellen, Akkordarbeit, drakonische Strafen. Die „Politischen“ wurden besonders schikaniert – vom Personal und von den schwerkriminellen Frauen, mit denen sie zusammen eingesperrt waren. Das Wachpersonal rekrutierte die SED vor allem aus Frauen mit niederen Hemmsachwellen, empathischer Verarmung und sozialer Verstumpfung.

burg hoheneck Burg Hoheneck, Stollberg (Erzgebirge),
in der DDR genannt „Strafvollzugseinrichtung (StVE)“

 Drei ehemalige Häftlinge berichten:

Petra Koch(*15.01.1960 †21.02.2013 an den Spätfolgen der Haft in Hoheneck)

Im Prager Staatsgefängnis war in die Wand das Gedicht „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ eingeritzt. Ich wusste damals nicht, dass es von Dietrich Bonhoeffer ist. Ich betete es von da an jeden Tag. Ich komme aus einem atheistischen Elternhaus, habe mich aber immer gefragt, ob es doch einen Gott gibt. In Hoheneck durfte man den ­Gottesdienst besuchen. Eine Mitgefangene erzählte mir aber, dass der Pastor unter dem Talar Stiefel trug.

Sie war deshalb überzeugt: „Das ist doch einer von der Stasi.“ Die von mir gewünschte Bibel habe ich nicht bekommen, da ich offiziell konfessionslos war. Doch auch so hat mir mein Glaube geholfen. Ich kannte zwar nicht die Rituale, konnte damals noch nicht das Vaterunser auswendig, aber ich wusste, es gibt eine Kraft in mir: Wenn ich die zulasse, wird sie mir Halt geben und mich nie mehr verlassen. Ich habe Zwiesprache mit Gott gehalten – wie mit einem guten Kumpel.

Petra KochPetra Koch, ehemalige „Politische“ in Hoheneck“

Ich habe gesagt: Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel. Ich hatte damals meine Zweifel, inzwischen nicht mehr, denn ich bekam ein gutes Feedback von oben. Ich war mir sicher: Mir passiert nichts, und alles wendet sich zum Guten. Und so war es auch. Viele von den kirchlichen Ritualen waren und sind mir fremd. Ich habe nach der Freilassung versucht, mich der Kirche anzunähern, habe mich evangelisch taufen lassen. Aber es ist mir nie gelungen, mich der Kirche als Gemeinde anzunähern. Doch mein Glaube war und ist unerschütterlich.

„Sie wollten unsere Persönlichkeit brechen,
das war das erklärte Ziel.
Doch mein Glaube hat mir geholfen“.

 Und das war gut, denn in Hoheneck wollten sie unsere Persönlichkeit brechen, das war das erklärte Ziel. Hoheneck war ein Ort, wo man Hoffnung und Energie brauchte. Die Zuchthausatmosphäre war natürlich ein unsagbar guter Nährboden für alles, was mit Zukunftsdeutung einhergeht. Kartenlegen stand hoch im Kurs, mehr jedoch noch das Orakeln, obwohl beides streng verboten war. Alle Gefangenen haben jede Form von Spiritualität in sich aufgesogen wie ein Schwamm. Ich kann nicht mit Bestimmtheit sagen, was es bei mir war: Neugier, Hoffnung oder Glaube? Jeder Mensch braucht in einer ausweglos erscheinenden Situation etwas, woran er sich festhalten kann.

In Hoheneck gab es eine Sage um eine weiße Frau, die dort spuken sollte – es war überhaupt ein mystischer Ort. Ich erinnere mich an ein besonderes Erlebnis bei der ersten Kinovorstellung. Genau diese Situation hatte ich schon einmal geträumt. Das spürte ich mit großer Intensität. Ich hatte mich damals gewundert, warum in meinem Traum nur verhärmte Frauen im Kino ­saßen. Nun hatte mich diese schicksalhafte Traumszene in der Realität eingeholt.

massenzelleMassenzelle in Hoheneck für bis zu 36 Frauen

In Hoheneck hörte ich auch zum ersten Mal von den zwölf Heiligen Nächten: Die „Rauhnächte“ vom 25. Dezember bis zum 6. Januar stehen jeweils für einen Monat des neuen Jahres. Was man in dieser Zeit träumt, geht in jenem Monat in Erfüllung. Ich habe in der achten Nacht vom Transport in die Freiheit geträumt und bin wirklich im August entlassen worden.

Als ich 2011 erneut nach Hoheneck fuhr, wusste ich: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, mich der Vergangenheit zu stellen. Ich tat es ganz allein. Es hat sich so ergeben. Erstaunlicherweise war meine Zelle auf Planet III, die Nr. 73, die einzige, die offen war. Erst war die Angst groß, dann habe ich mich getraut, hineinzugehen. Ich hatte alles größer in Erinnerung. Selbst in der leeren Zelle kam es mir eng vor. Da sollen zwölf Doppelstockbetten und Schränke gestanden haben? Ich habe gebetet, weil ich dankbar war, die Zeit dort überlebt zu haben. Es war auch eine Genugtuung, dass die mich nicht kleingekriegt haben, denn in Hoheneck konnten sie mit dir machen, was sie wollten. Sie hätten die Zelle aufschließen, mich an die Wand stellen, erschießen und verscharren können. Man war nur eine Nummer.

Tatjana Sterneberg(siehe auch Berliner Kurier 07.11.2011)

Unrecht kann ich nicht ertragen. Schon in der Schule galt ich als kämpferisch. Zum Beispiel wenn Mitschüler benachteiligt wurden, nur weil ihre Eltern nicht Mitglied der SED waren. Oder für eine Klassenarbeit schlechter benotet wurden, weil diese nicht die gewünschten Lobeshymnen auf die Errungenschaften der DDR enthielt. Trotz Indoktrination war ich unpolitisch.

Mit meinem Ausreiseantrag berief ich mich auf die Menschenrechte und die geschlossenen Verträge zwischen West und Ost. In der Ideologie des DDR-/SED-Regimes war ich nun ein Staatsfeind, der „konsequent seine Ausreise fordert“ und mit allen Mitteln der DDR-Geheimpolizei verfolgt wurde. Nach der Verurteilung sollte ich im Frauenzuchthaus Hoheneck mit „Erziehung durch Arbeit“ als politisch Andersdenkende auf Linie gebracht werden. Der Praxis der NS-Zeit entsprechend, vegetierte ich mit 23 Mitgefangenen auf 24 Quadratmetern; größere Zellen waren mit bis zu 60 Gefangenen belegt.

zelle hoheneckHoheneck war berühmt für katastrophale Zustände, hier: Waterboarding-Zelle

Ausgelegt auf 600 Haftplätze, war Hoheneck 1974 mit über 1600 Frauen mehrfach überbelegt. Zwangsarbeit im Dreischichtsystem, unzureichende Ernährung, unzumutbare hygienische und medizinische Verhältnisse, Postzensur und militärischer Drill waren an der Tagesordnung. Zudem sollte der Einsatz von Stasispitzeln die Politischen zermürben; vermeintlich unbekannte Tatbestände sollten gegebenenfalls erneut justiziabel verwertbar gemacht werden.

Immer wieder kritisierte ich die unmenschlichen Haftbedingungen. Immer wieder wurden Arreststrafen gegen mich verhängt; letztlich 14 Tage strenger Arrest, nur weil ich mitbekommen hatte, wie eine Mitgefangene um ihr Leben schrie, und ich daraufhin die Arbeit verweigert hatte.

„Arrest und jede Menge
Psychopharmaka. Es ist ein Wunder,
dass ich überlebt habe“

Eine Metallblende schirmte die Fensterluke der Arrestzelle vor Licht und Kontaktaufnahme ab. Zwei Tigergitter trennten Liegepritsche (ohne Matratze) von Toilettenkübel. Ich erhielt täglich 200 bis 300 Gramm trockenes Brot und je ­einen Topf Malzkaffee, jeden dritten Tag ein warmes Mittagessen.

„Bei Nahrungsverweigerern ist das Wasser abzusperren und keine weiteren Getränke zu verabreichen“, heißt es in der Anweisung der Anstaltsleitung, die ich viele Jahre später im Staatsarchiv, Außenstelle Chemnitz, ausfindig machte. Nach fast drei Jahren Haft, im Oktober 1976, wurde ich im Arrest nicht ansprechbar auf dem Boden liegend aufgefunden. Ich wachte in der Krankenabteilung auf. Nach Rückverlegung in das Arbeitskommando konnte ich tagelang nicht sprechen, meine Sprache war wie gelähmt, wohl eine Folge erneut verabreichter Psychopharmaka. Die letzten Haftmonate habe ich wie durch einen Schleier erlebt und kaum noch agiert.

Nach dem Fall der Mauer habe ich Teile meiner StaSi-Akten einem Facharzt vorgelegt. „Über längere Zeit waren Ihnen verschiedene Psychopharmaka, auch Neuroleptika verabreicht worden, obwohl Sie unter Unruhe und Schlafstörungen litten. Dass Sie das überlebt haben, ist ein Wunder“, so seine erste Einschätzung. Sedativa und Psychopharmaka bewirken bei längerer Verabreichung und höherer Dosierung eine Ausschaltung der bewussten Wahrnehmung. Wer nichts wahrnimmt und sich nicht erinnert, kann nichts erzählen.

Dr. Renate Werwigk-Schneider(siehe auch YAHOO-Nachrichten 07.12.2012)

Im Zuchthaus in Frankfurt (Oder) hatte ich es vergleichsweise gut, ich durfte als Ärztin arbeiten. Aber in Hoheneck wollten sie mir es so richtig zeigen und haben mich als Kinderärztin ausgerechnet in eine Zwölferzelle mit lauter Kindesmörderinnen gesteckt. Die erzählten mir dann immer wieder ihre schrecklichen Geschichten. Überhaupt war die ganze Umgebung furchteinflößend.

Im Erdgeschoss unter uns saßen die alten Nazi­frauen, die grüßten noch mit „Heil Hitler“. Mir lief ein Schauer über den ­Rücken. Es war nur Abschaum dort, und dann hieß es auch noch: „Bild dir nicht ein, du bist was Besseres.“ Es regierte Neid und vor allem Hass, die Lebenslänglichen nahmen es übel, wenn man nur einige Jahre sitzen musste. Ich hatte immer Angst, man tut mir was an.

inhaftierte frauenInhaftierte Frauen um 1970 bei der Arbeit für den VEB Planet

Ich kam in die Bettwäscheproduktion. Ich sollte doch mal sehen, wie es sich als Arbeiter lebt. Mein Fluchtpunkt war die Kirche, das war ein Ort der Ruhe. Hier konnte ich mich mit anderen Politischen austauschen. Ansonsten war ich mit mir alleine, habe keinen Kontakt gesucht und bin allen aus dem Weg gegangen. Ich war unnahbar, keiner konnte mir was, aber ich fühlte mich wie eine lebende Leiche. Selbst zu den Wachteln war ich arrogant und von oben herab. Körperlich haben sie mir nichts getan, aber man hat mich spüren lassen, dass ich eine Verbrecherin war, auf einer Stufe mit Kriminellen. Das war meine größte Strafe.

„Man behandelte mich wie eine Verbrecherin,
ich war auf einer Stufe mit Kriminellen. Das war
für mich die größte Strafe“

Trotzdem war ich nie wirklich verzweifelt, denn in meinem Hinterkopf war immer die Hoffnung, dass ich in absehbarer Zeit wieder rauskomme. Die hygienischen Umstände mit Kübel statt Toilette waren schlimm, das Essen wohl auch. Aber das war mir egal. Mir war der Appetit völlig vergangen. Ich habe zehn Kilo abgenommen, sah aus wie ein Gespenst.

Meine Freilassung sah so aus: Es erschienen zwei Männer und sagten, ich ginge auf Transport. Dann brachten sie mich zur Stasi nach Karl-Marx-Stadt. Dort nahm mich nach längerer Wartezeit ein weiterer Stasimann in Empfang und teilte mir mit, man wolle mich heute entlassen und wohin ich denn entlassen werden wolle. Daraufhin sagte ich: „In die Bundesrepublik.“ Wir fuhren dann an die Grenze bei Wartha-Bebra und warteten. Keiner sprach ein Wort. Dann kam ein Mercedes mit Ostberliner Kennzeichen.

Die Rechtsanwälte Vogel (Ost) und Stange (West) stiegen aus. Ich bekam ein Paket mit all meinen Papieren und einen Blumenstrauß von meinen Eltern. Dann fuhren wir über die Grenze. Ein schwarzer Mercedes mit vier schwarz gekleideten Männern kam, ich musste mich zeigen. Dann hieß es: „Das ist die Richtige“, und ein Geldkoffer, es sollen 100 000 DM ge­wesen sein, wechselte den Besitzer. Später hörte ich, dass zusätzlich auch noch ein Spion für mich ausgetauscht worden war.

Kurz darauf, im Oktober 1968, habe ich meinen Freund geheiratet und das Hochzeitsfoto kommentarlos an meinen Vernehmer in Sofia geschickt, der mir damals prophezeit hatte, wir würden nie zusammenkommen. Das hatte Folgen. Es hieß, ich hätte damit den ganzen Freikauf gefährdet. Denn die Bulgaren waren empört, dass die Gefangenen, die sie brav auslieferten, von der DDR „verkauft“ wurden. Das hätten sie ja auch selber tun können.

Ich bin nicht wieder in Hoheneck gewesen, an diesen Ort des Schreckens wollte ich nie zurück. Mein Leben ist schön, ich mag es mir nicht vermiesen. Meine Therapie, das war über all die Jahre mein Beruf. Mit Kindern zusammen zu sein, ihnen zu helfen, hat mir gut getan. Die Zeitzeugenarbeit ist wichtig. Was in diesem Unrechtsstaat geschehen ist, darf nicht vergessen werden.

Nachweise:
http://chrismon.evangelisch.de/artikel/2012/der-dunkle-ort-14141
Frauenkreis Hoheneckerinnen http://www.frauenkreis-hoheneckerinnen.de/
Facharbeit „Schicksale weiblicher politischer Gefangener in der DDR – Strafvollzug Hoheneck“, Andrea Hornsteiner, 2010
Verraten und Verkauft“, Hoheneck war das Haus des Grauens
Stuttgarter Zeitung, 09.02.2010
Das Gesetz von Hoheneck“, die taz 13.11.2009
Hoheneck Blog unter http://hoheneck.wordpress.com/tag/frauengefangnis/

Pressekommentare zum Buch

Der dunkle Ort – 25 Schicksale aus dem DDR-Frauengefängnis Hoheneck
von Maggie Riepl und Dirk v. Nayhauß

„Das schlanke Buch ist ein Kompendium des Grauens.“
(Der Tagesspiegel)

„Nein – das Wort ,schlimm’ trifft die Art und Weise, wie man mit den Frauen umging, nicht. Jeder, der das Buch liest, erfährt: Hoheneck war ein Verbrechen an den Frauen.“
(Freie Presse, Chemnitz)

„25 exemplarische Schicksale aus dem DDR-Frauengefängnis Hoheneck werden in ,Der dunkle Ort’ von den politischen Opfern selbst erzählt, nicht larmoyant, sondern fast schon zu nüchtern. In jedem Fall aber heilsam gegen irgendwelche Rückfallsanfälligkeiten!“
(Das Magazin)