Ist die sächsische AfD-Chefin Frauke Petry pleite? – Sachsensumpf der AfD Teil 3

Frauke Petry galt als Powerfrau. 1975 in Dresden geboren verzog sie 1992 nach Bergkamen (Westfalen) und absolvierte dort das Abitur. In ihrer Abiturklasse lernte sie auch ihren späteren Ehemann Sven kennen, der heute als Pfarrer in Frohburg dient. Es folgten Jahre des Chemie-Studiums in England und Göttingen, 2004 dann die Promotion. Damit setzte Petry eine Familientradition fort. Bereits ihre Mutter, Christa Renate Marquardt, war Chemikerin und hielt wertvolle Patente zu neuartigen Polyurethan-Kunststoffen, die anders als alle bisherigen formstabilen Füllmaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen stammen.

In 2005 gründete Dr. Petry die PURinvent zunächst als Ltd. nach englischem Recht in Camberley (Löschung im Handelsregister Göttingen HR 4273 am 08.04.2009, weiterhin aktiv im Companies House Reg-No. 05379748 mit Dr. Sven Petry, Dr. Frauke Petry und Christa Renate Marquardt als Direktoren).
http://www.unternehmen24.info/Firmeninformationen/DE/1717561 http://www.cdrex.com/purinvent-limited-3157172.html

In 2007 folgte die PURinvent als GmbH nach deutschem Recht mit Frauke Petry als alleinige geschäftsführende Gesellschafterin. Mit den Patenten ihrer Mutter platzierte sie sich schnell am Markt, vor allem in der Reifenproduktion. Nebenbei gründete sie mit ihrem Ehemann eine Familie. Vier Kinder brachten sie zur Welt. Das Ehepaar gilt als stark christlich orientiert und erhebt gern und schnell den moralischen Zeigefinger. Für das erfolgreiche Bestehen der Dauerbelastung aus Beruf und Familie wurde Frauke Petry in 2011 mit dem Sächsischen GründerInnenpreis geehrt. In 2012 erhielt sie die Verdienstmedialle des Bundesverdienstkreuzes. Schon damals kriselte Ihre Unternehmung. Niemand bemerkte es. http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Berichte/DE/Joachim-Gauck/2012/10/121004-Verdienstorden-Tag-der-Deutschen-Einheit.html

Doch Dr. Frauke Petry wollte noch höher hinaus. Im Februar 2013 gründete sie mit Prof. Lucke und Konrad Adam die „Alternative für Deutschland“ (AfD), die im September den Einzug in den Bundestag anstrebt. Petry wurde zunächst Bundessprecherin, zusätzlich Landessprecherin in Sachsen und dann sogar Spitzenkandidatin zum Bundestag auf der sächsischen Landesliste. Als AfD-Funktionärin wettert sie immer wieder heftig gegen die „Schuldenpolitik der Südländer“ und die „unverantwortliche Geldpolitik der EZB“. Deutschland dürfe sich nicht für die „Südländer“ überschulden (21.04.2013 bei Peter Hahne). http://www.zdf.de/Peter-Hahne/Euro-oder-D-Mark-27578498.html

Dass sie selbst wg. finanzieller Probleme und Überschuldung in Schwierigkeiten steckte, blieb der Öffentlichkeit und den AfD-Mitgliedern verborgen. Noch am 05.07.2013 gab Sie dem Handelsblatt ein Interview, daß die europäische Schuldenpolitik analog „für Mittelständler strafbar“ wäre. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bundestagswahl-2013/serie-wir-sind-die-neuen-die-hyperaktive/8455804.html

Manch einer munkelt, Frau Petry habe sich nur deshalb auf einen sicheren Listenplatz zur Bundestagswahl setzen lassen, um sich wirtschaftlich abzusichern. „Das Bundestagsmandat soll sie davor schützen, Hartz IV beziehen zu müssen“, schimpft ein sächsischer Kreisbeauftragter. Petry habe die Mitglieder hintergangen und ausgenutzt. Im sächsischen Landesverband der AfD ist man erbost: „So eine Insolvenz fällt doch nicht vom Himmel, das kündigt sich längerfristig an“, raunzt ein sächsisches Parteimitglied. Manch einer vermutet, Petry habe deshalb alle potentiellen Konkurrenten in der AfD mit zum Teil unfairen und unlauteren Mitteln „beseitigt“. Sogar falsche Aussagen und Drohungen gegenüber innerparteilichen Konkurrenten sollen gefallen sein. Auch hätten „Gesetzesverletzungen am Fließband“ stattgefunden. Petry sei zu keiner Zeit Herr ihres Amtes gewesen und habe sich mit falschen Beratern, vor allem aus dem Kreis ehemaliger „Freiheitlicher“ und Fundamental-Christen aus dem Erzgebirge umgeben. Darüber hinaus gelte sie als „komplett beratungsresistent“.

Tatsächlich steckt die PURinvent GmbH seit längerem in einer finanziellen Schieflage. Die im Bundesanzeiger veröffentlichten Geschäftsberichte für die Jahre 2007 bis 2011 zeigen einen stetigen Abbau des Anlagevermögens und eine kontinuierliche Zunahme der Verbindlichkeiten bei fallender Liquidität. Im Jahr 2009 konnte die Insolvenz durch die Beteiligung eines stillen Gesellschafters mit € 200.000,– noch abgewendet werden. Im Jahr darauf folgte eine kleinere Kapitalerhöhung. Da jedoch die GmbH niemals in die Gewinnzone geriet, konnte die Trendwende nicht erreicht werden. Frau Petry hat buchstäblich seit 2007 nur Geld verbrannt.

Die Geschäftsberichte der PURinvent GmbH im Bundesanzeiger unter:
https://www.bundesanzeiger.de/ebanzwww/wexsservlet?session.sessionid=a485f067368652ebe2e601bbc265ed90&global_data.designmode=eb&genericsearch_param.fulltext=purinvent&genericsearch_param.part_id=&%28page.navid%3Dto_quicksearchlist%29=Suchen

Petrys Firma scheint jetzt zu kollabieren. Ob sie dies politisch überlebt, ist ungewiss. Schon ertönen Stimmen, sie möge den Landesvorsitz abgeben und die Kandidatur zum Bundestag aufgeben wegen des „massiven öffentlichen Negativ-Images“, welches auf die AfD durchzuschlagen drohe, so ein sächsisches Mitglied. „Sie war beinhart gegenüber innerparteilichen Konkurrenten und ging über Leichen. Jedes Gerücht war ausreichend, um andere Parteimitglieder zu diskreditieren“. Jetzt dürfe sich Frauke Petry nicht wundern, wenn das Pendel zurückschlage.

Mehr zum Sachsensumpf der AfD:
Die Sächsische Parteibasis fordert den Rücktritt von Peter Christ – Sachsensumpf der AfD Teil 2
Der Sachsensumpf der AfD – der Wahlverein für Dr. Frauke Petry

Mehr zur Ostersonntags-Connection der AfD Bayern, die durch dubiose Gestalten und Pleitiers geprägt wird:
Die AfD Bayern in den Klauen Schildes & Co

Die Sächsische Parteibasis fordert den Rücktritt von Peter Christ – Sachsensumpf der AfD Teil 2

Offener Brief an Peter Christ

An Peter Christ
Rigistrasse 64
CH – 6006 Luzern

Sehr geehrter Herr Christ,

am 28.04.2013 wurden Sie auf dem Landesparteitag der AfD in Leipzig zum sächsischen Listenkandidat Nr. 3 für den Bundestag nominiert.

Die Mitglieder wussten damals nicht (und SIE verschwiegen es auch), dass Sie
– Auslandsdeutscher sind
– in Luzern (Schweiz) Ihren Wohnsitz unterhalten

Sie gaben vor, die „rechte Hand“ von Prof. Lucke zu sein und dessen Wahlkampf zu organisieren. Inzwischen haben Sie die Partei und das Team von Prof. Lucke verlassen. Allerdings stehen Sie noch immer auf der sächsischen Landesliste.

Seit Ihrer Nominierung haben Sie nie wieder sächsischen Boden betreten. Sie haben keine Unterstützungsunterschriften gesammelt.
Sie haben keine Wahlkampfstände gebaut.
Sie haben keine Mitgliedertreffen besucht.
Sie haben an keiner Bürgerversammlung teilgenommen.
Sie haben nie einer Vorstandssitzung beigewohnt.
Sie haben zu keinem Zeitpunkt ein Flugblatt verteilt.
Sie haben keinen Mitgliedsbeitrag/Spende entrichtet.
Sie haben keine logistische Zuarbeit geleistet.
u.s.w.

Mit anderen Worten: Sie lösten sich nach dem Landesparteitag in Luft auf, obgleich wir jede helfende Hand gebrauchen können, um unsere Kandidaten in den Bundestag zu hieven. Wir reissen uns hier buchstäblich den Hintern auf, während SIE in den Schweizer Bergen die gute Luft geniessen. Wir hören, dass Sie auch den Job des AfD-Wahlkampfleiters in Berlin geschmissen haben.

Alle (!) im Aufbau befindlichen Kreisverbände der AfD Sachsens fordern Sie auf, die Kandidatur niederzulegen. Sofern die noch amtierende Landesvorsitzende Petry Ihnen gegenüber etwas Abweichendes mitteilte, so geschah dies entgegen unserer ausdrücklichen Bitte. Befreien Sie uns vom Eindruck, wie Sklaven für abwesende Möchtegern-MdBs behandelt zu werden. Wir Sachsen sind zwar langsam, aber nicht doof. Wir haben verstanden, daß sie mit Frauke Petry und Georg Metz gekungelt und uns komplett verkohlt haben. Beenden Sie dieses traurige Kapitel. Bleiben Sie in Luzern.

Hochachtungsvoll

die Mitglieder der im Aufbau befindlichen Kreisverbände

Vogtlandkreis
Zwickau
Erzgebirgskreis
Chemnitz
Mittelsachsen
Nordsachsen
Leipzig
Leipziger Land
Meißen
Dresden
Osterzgebirge/Sächsische Schweiz
Bautzen
Görlitz

Anmerkung der Redaktion: Der Landesverband Sachsen der Alternative für Deutschland gründete sich am 28.04.2013 unter Ausschluss der Öffentlichkeit außerhalb von Leipzig. Die Mitglieder durften einen Rumpfvorstand um Dr. Frauke Petry wählen. Ein Landesschiedsgericht gibt es in der AfD Sachsen nicht. Am selben Tag ließ der Klüngel um Dr. Frauke Petry die Bundestagsliste durchwinken, ohne dass den Mitgliedern Näheres über die Kandidaten bekannt war. Peter Christ, Mitglied der Vetternwirtschaft um Petry, ist der Listenkandidat Nummer 3 der AfD Sachsen. Der 65-jährige Journalist war Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung, des Manager Magazins und der Sächsischen Zeitung.

„Auch im LV Sachsen stellt sich die AfD als undemokratisch und autoritär geführte Partei dar. Offenbar ist die AfD nur als Wahlverein gedacht, der dem Kreis um Parteisprecher Lucke […] Bundestagsmandate verschaffen soll. Programmatische Diskussionen oder eine politische Willensbildung unter den Mitgliedern finden nicht statt. Die einfachen Parteimitglieder sind nur als kostenlose Arbeitskräfte zum Unterschriftsammeln und zum Wahlkampf vorgesehen.“ Der sächsische Landesvorstand um Dr. Frauke Petry unterband Direktkandidaturen in Sachsen. Die sächsischen Kreisverbände sind keine regulären Verbände, sondern sie befinden sich im Status der Gründung und haben keinerlei politische und finanzielle Autonomie. Alle Macht geht vom Landesvorstand aus.

Weitere Hintergründe zur AfD Sachsen: Der Sachsensumpf der AfD – der Wahlverein für Dr. Frauke Petry

Scheinalternative für Deutschland: Wie sich eine Hoffnung selbst zerlegt

Der Euphorie folgt die Depression. So jedenfalls muss man die Genese der Partei sehen, die doch auffällig selten bei 3, meist bei 2% in den Wahlprognosen stagniert. Überall treten vehement Probleme zutage (Bayern, Hessen, Berlin und NRW) die derzeit auf eine Selbstzerlegung hindeuten. Warum ist das so? Wahrscheinlich, weil schon die vielbejubelte „Gründung von oben“ einen schweren Webfehler beinhaltete. Herrschte anfangs noch Skepsis, ob es ein kluger Schachzug war, jenes in einem sehr kleinen Kreis entstandenes Minimalprogramm vorzulegen, das von niemandem der heutigen Parteimitglieder mehr an Mitgestaltung abverlangte, als „Ja“ zu sagen, so zeigte sich anschließend in klarer Gewissheit, inklusive der Gründung nach einem zentralistischen Prinzip, dass die Basis von vornherein nicht in inhaltliche Prozesse eingebunden war. Von Beginn an misstraute man den Mitgliedern.

Infolgedessen konnte jeder, der kritisch hinsah bemerken, wie die Gründung von Kreisen verzögert, wenn nicht gar verschleppt wurden. Es wurde sogar von der Führung offen kommuniziert, dass man befürchte in einigen Kreisen könnten Leute gewählt werden, die dann von der Presse ins mediale Licht gezerrt und zum Schaden der Partei zerlegt würden. Man selbst hielt sich natürlich über jeden Zweifel erhaben. Vor allem Selbstdenker und eigenständig Handelnde wurden ausgebremst. Stattdessen wurde es zum höchsten Gebot der Aktiven auf Facebook jeden Tag mindestens drei Lucke-Sprüche mit „mag ich“ zu veredeln.

Aber es war auch manchmal kaum silber, was vom geradezu als Messias (sonst konnte und darf sich niemand profilieren) stilisierte Parteisprecher zu Protokoll gegeben wurde. Recht schnell wurde bezüglich des raschen Euro-Austrittes Deutschlands zurückgerudert, mal ward die FDP des Populismus gescholten, weil sie doch so etwas Unfassbares wie Steuersenkungen fordert, mal sollte die Schweiz mit dem europäischen Steuerrecht beglückt werden, mal begrüßte er die insgeheim erfolgte Zwangsabgabe der Zyprioten, stellte ihnen zugleich Mittel aus dem Fördertopf der EU (die an sich auch kaum kritisiert wird) in Aussicht und oft verwechselte er Ursache und Wirkung, wie bei den einseitigen Schuldzuschreibungen des Euros als Grund für die Krise der ach so gebeutelten Krisenstaaten des Südens. Eine klare Absage der populistischen Schmähungen der Kanzlerin, hörte man von keinem der Mitglieder der AfD, irritierend sogar, wie viele mit hässlichsten Beleidigungen der obersten deutschen Repräsentantin konform gingen.

Daran anknüpfend, kann man in der Tat ein Problem ausmachen, welches an der Basis zutage tritt. Es gibt da viel heiße Luft von Wutbürgern des Ressentiments und der Verschwörung. Eine WASG von links bis rechts, mit Bauchgefühl und Kopfleere. Zu verschrobenen Ansichten über Gott und die Welt, gesellt sich ab und auch Sexismus* und die Abwesenheit von Empathie. Das alles ist nichts Neues in der Politik, aber deshalb auch nicht gerade „alternativ“. Man darf um die Zukunft der AfD Angst haben, zumindest dann, wenn man mit ihr sympathisiert.

Ein Beitrag von Tanja Krienen, ehemalige stellvertretende Vorsitzende/Sprecherin des Kreises Soest. Mittlerweile ist sie aus der AfD ausgetreten, Ihr Austrittsschreiben ist hier zu lesen.

* Die heimische Presse berichte: Bei den „Alternativen“ geht es hoch her*:
Quelle: http://www.soester-anzeiger.de/lokales/soest/soest-erster-streit-soester-2973929.html

Die Partei AfD ist noch kein halbes Jahr alt, der Soester Kreisvorstand noch nicht einmal eine Woche, da kracht es schon gewaltig im Gebälk. Die vergangenen Freitag zur Vize-Sprecherin des Kreis-Verbands gewählte Tanja Krienen fordert ihren Chef, Sprecher Dr. Wilfried Jacobi, zum Rücktritt auf. Sie wirft ihm und der Partei Alternative für Deutschland (AfD) vor, „deutlich am rechten Rand“ nach Wählerstimmen zu fischen, und sagt: „Die Partei wird von christlichen Fundamentalisten und Sektengängern dominiert, für die schon eine arbeitende Frau etwas ist, das es nicht geben sollte.“

In ihrem Fall, so die Soesterin Krienen, sei es noch schlimmer gekommen. Nachdem sie sich als Kandidatin für die Bundestagswahl beworben hatte, habe Kreisvorsitzender Jacobi ihr einen „Hausbesuch“ abgestattet und ihr „eröffnet, unsere Wähler würden die Transsexualität (Krienens) nicht verstehen“. Jacobi könne sich „nicht vorstellen, mein Portrait auf Wahlplakaten zu sehen“, schildert Krienen. Die Partei habe deshalb „alles daran gesetzt“, die Kandidatur zu verhindern. Die Alternativen stehen also „nicht dort, wo die CDU mal war (und wie es Sprecher Jacobi tags zuvor behauptet hatte), sondern partiell da, wo die NPD ist“.

Damit nicht genug: Krienen sieht die Alternativen als „Kaderpartei, in der Tricksen und Täuschen zum Alltag gehört“. Dies belegten nicht nur Beispiele aus Hessen, Berlin und Bayern, sondern jetzt auch aus Soest. „Hätte ich nur gewusst, in welches Milieu ich da gerate.“ Der gescholtene Jacobi wertete die Angriffe auf ihn als „Unterstellungen und Fehleinschätzungen“. Er bestätigte, mit Krienen ein Vier-Augen-Gespräch geführt zu haben. Doch es sei geradezu das Merkmal solcher vertraulichen Runden, nichts darüber nach draußen zu tragen. Daran habe er sich auch im Fall Krienen gehalten. Über Personal-Interna äußere er sich grundsätzlich nicht. – hs

VIDEO: Alternative für Deutschland: eine Mogelpackung spielt falsch

Debatte: Generalrichtung der AfD stimmt – aber sehr schlechter Zustand der AfD Bayern

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag auf der Facebook-Site des AfD-Landesverbandes Bayern veröffentlichen, um eine Diskussion in Gang zu setzen. Leider geht das nicht, da ich nach einem Beitrag zum Thema „Protestwähler und Nichtwähler“ auf Dauer gesperrt worden bin. Und da ich meine Gedanken nicht gleich der Süddeutschen Zeitung unterbreiten wollte, bringe ich sie eben hier, im Alternativen Newsletter, auch wenn ich mit einigen von hier ausgehenden Aktionen nicht immer einverstanden bin, und ich auch die Anonymität nicht mag.

Viele Mitglieder im Landesverband Bayern der Alternative für Deutschland befinden sich ganz offensichtlich in einem sehr großen Dilemma:

Einerseits sind diese Mitglieder zutiefst davon überzeugt, dass die Eurokrise und die entsprechenden Rettungsmaßnahmen der Blockparteien katastrophale Folgen für unser Land haben werden, und dass man sich als freier und verantwortungs-bewusster Bürger dagegen in demokratischer Art und Weise auflehnen muss. Die AfD bietet gegenwärtig die einzige Möglichkeit, über den Wahlzettel bei der kommenden Bundestagswahl seinen Protest mit der gegenwärtigen Politik der sogenannten Euro-Rettung auszudrücken.

Die Generalrichtung der AfD stimmt ohne jeden Zweifel, allerdings sind die Programme zur Bewältigung der Eurokrise teilweise noch unzureichend und zu dünn konzipiert, in manchen Bereichen widersprüchlich und bezüglich der Folgen und möglicher Kollateralschäden noch nicht seriös durchgerechnet und vom Ende her gedacht. Hier muss noch dringend nachgearbeitet werden, denn der Wähler sollte wissen, welche wirtschaftlichen, finanziellen, außenpolitischen und sozialen Folgen die von der AfD vorgeschlagenen Strategien für unser Land haben. Auch sollte dem Wähler klar gemacht werden, dass es keinen Königsweg gibt, dass es letztlich um die Frage geht: „Ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende“ oder anders ausgedrückt „Pest oder Cholera“.

Andererseits, ich spreche hier über den Bayerischen Landesverband, ist die Partei selbst, was Werte, Kultur, Führung und innere Demokratie anbetrifft, in einem sehr schlechten Zustand. Hier wird großflächig rigoros und rücksichtslos mit Methoden und Verfahren gearbeitet, die offenkundig lediglich der Machterhaltung und der Sicherung von lukrativen Positionen für Selbstdarsteller, Egomanen und Karrieristen dienen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden Verfahren und Instrumente eingesetzt, die alles andere als demokratisch sind:

Stichwort Ämterhäufungen: die Mitglieder des Landesvorstandes halten nach wie vor weitere, bis zu zwei zusätzliche Führungspositionen in den Bezirken und Kreisverbänden, um vermutlich auch die Untergliederungen kontrollieren und notfalls disziplinieren zu können.

Stichwort Delegierten-System: das aufgrund einer nicht satzungsgemäßen Abstimmung in Nürnberg beschlossene Delegierten-System führte dazu, dass sich die von den Mitgliedern auf OV- oder KV-Ebene nach dem Mitgliederschlüssel 1:20 gewählten Delegierten auf der übergeordneten Bezirksebene erneut zur Wahl stellen mussten, obgleich sie schon als Delegierte in ihren OVs bzw. KVs gewählt wurden. Dies führte dazu, dass einige Orts- und Kreisverbände zahlenmäßig mehr, andere weniger Delegierte durchgebracht haben, als ihnen nach dem Schlüssel 1:20 zustehen. Ein OV/KV hat sogar gar keinen ihrer gewählten Delegierten auf Bezirksebene durchgebracht.

Das Argument, dass Mitglieder ohne Zuordnung zu einem OV oder KV sonst keine Delegierten hätten wählen können, ist nicht stichhaltig. Mitglieder ohne die Zuordnung zu einem Orts- oder Kreisverband können, wie in anderen Parteien auch, keine Delegierten wählen. Erst wenn alle Mitglieder einem Orts- oder Kreisverband zugeordnet werden können, macht ein Delegierten-System überhaupt einen Sinn. Der Verdacht liegt mehr als nahe, dass man mit dem völlig unnötigen Delegierten-System, das 95% aller Mitglieder für lange Zeit praktisch das Stimm- und Rederecht nimmt, linientreue und von oben beeinflussbare Mitglieder etablieren wollte.

Ob der Landeswahlleiter das Zustandekommen und die Praktizierung des Delegierten-System durchwinken wird, ist nach meiner Meinung mehr als fraglich.

Aber das ist ja nicht alles: Parteiausschlussverfahren, Druckausübung nahe an Erpressung, persönliche Verunglimpfungen und weitere Repressalien sind leider an der Tagesordnung, die alle nur das eine Ziel haben, kompetente und erfahrene, aber auch kritische Mitglieder auszugrenzen, um die Wettbewerbsbedingungen für die Amateure und Ahnungslosen innerhalb der Partei zu verbessern.

Die ganze Problematik zeigt sich in der Wahl der Landesliste durch die Delegierten am 6. Juni und deren wundersame Bestätigung am 30. Juni. Sowohl die Listenaufstellung am 6.6 als auch die Bestätigungsveranstaltung hätten niemals diese merkwürdigen Ergebnisse gebracht, hätte man statt der Delegierten die Mitglieder wählen lassen. Bekanntlich konnten sich, im Gegensatz zur Listenaufstellung am 6. Juni, bei der Bestätigungsveranstaltung keine Mitglieder bewerben, wenn sie nicht selbst Delegierte waren oder von einem Delegierten vorgeschlagen worden sind. Das halte ich für eine gravierende Veränderung und Einschränkung gegenüber der Veranstaltung vom 6. Juni, die meiner Meinung nach gegen das Wahlgesetz verstößt.

Was zeichnet nun die Personen aus, die an die ersten 15 Stellen Landesliste gewählt wurden? Besondere Fachkompetenz, insbesondere in den Kernthemen der AfD, politische Erfahrungen, Wahlkampferfahrungen, Medienkompetenz, analytisches und strategisches Denkvermögen, spezifische Fähigkeiten, die einen guten Abgeordneten im Parlament ausmachen?
Mit Sicherheit nicht. Dabei hätte es in unserem Landesverband genügend Mitglieder gegeben, die diese Kriterien hätten erfüllen können. Aber diese wurden schon im Vorfeld, aber auch bei Abstimmungen systematisch abgebügelt und weggedrängt.

Gerade für die kommende Legislaturperiode mit den wichtigsten, schicksal-haftesten Entscheidungen in der Geschichte unseres Landes mit Auswirkungen auch auf die kommenden Generationen hätten wir die allerbesten Kandidaten gebraucht, die wir finden können.

Und warum steht ausgerechnet Schünemann auf Platz 7, der Namensgeber für das unsägliche „Schünemann-System“ und hauptsächlich verantwortlich ist für den schlimmen Zustand des Landesverbands. Und warum steht diese Laienspielgruppe, warum stehen diese größtenteils langweiligen und politisch inkompetenten und unerfahrenen Leute trotzdem ganz oben auf der Liste?

Einerseits aufgrund von Seilschaften, Klüngeleien und Absprachen untereinander. Andererseits aber wohl auch als Belohnung für den Aufbau der Partei. Nicht wenige Delegierte hatten wohl den Eindruck, dass diesen Kandidaten ein vorderer Listenplatz „dienstgradmäßig“ zustünde und haben entsprechend gewählt. Dass dieses Kriterium für Bundestagsabgeordnete völlig irrelevant ist, muss hier nicht erwähnt werden.

Bemerkens- und geradezu bewundernswert sind das außergewöhnlich hohe Engagement und die ausgeprägte Motivation der sogenannten „einfachen“ Mitglieder im Landesverband ohne Amt und Listenplatz, die sich jeden Tag an der Basis für die Belange und den Erfolg der AfD einsetzen, auch wenn die operative und finanzielle Unterstützung der Bezirke und des Landesverbandes eher als dürftig zu bezeichnen ist.

Sehr gut und eindrucksvoll ist dieses besondere Engagement zu besichtigen bei den zur Zeit laufenden unzähligen Aktionen an der Basis mit dem Ziel, innerhalb von 7 Tagen 2.000 Unterstützungsunterschriften zu sammeln und damit die Fehler des Landesvorstands bei der ersten Listenaufstellung zu korrigieren. So etwas habe ich in meiner 20-jährigen politischen Arbeit noch nie erlebt. Ich bin mir sicher, dass es diesen bewundernswerten Menschen mit hohem persönlichem Einsatz gelingen wird, diese Mammut-Aufgabe zu schaffen.

Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass dieses außergewöhnlich große Engagement aus der „eindrucksvollen Brillanz“ der Landesliste resultiert, sondern richtigerweise wohl ausschließlich aus der Sorge um die Zukunft unseres Landes. Letztlich scheint es den meisten Mitgliedern egal zu sein, welcher bayerischer Abgeordnete sie im Bundestag als potenzieller Hinterbänkler vertreten könnte, zumal andere Landesverbände erkennbar viel kompetentere und geeignetere Kandidaten aufgestellt haben und so dieses Manko ausgleichen werden kann. Hauptsache die Partei kommt in den Bundestag.

Diese Mitglieder, auf deren Schultern ihre sogenannten Führungskräfte und Kandidaten stehen, sind das Wertvollste, was die AfD gegenwärtig zu bieten hat.

Bemerkenswert ist aber auch die Leidensfähigkeit vieler Mitglieder des Landesverbandes Bayern. Durch das System Schünemann, das sich wie ein Krebsgeschwür durch den gesamten Landesverband durchgefressen hat, sind übermäßig viele Verletzungen bei Mitgliedern entstanden, die sich in innerer Kündigung, aber auch in vielen Rücktritten gezeigt hat. Aus meinem Kreisverband sind in den 8 Wochen seit Bestehen 5 von 8 Vorstandsmitgliedern aus der Partei ausgetreten, dieser Kreisverband hat innerhalb von 8 Wochen den dritten Vorsitzenden, der zwischenzeitlich auch zurückgetreten ist, der dann aber in sein Amt zurückgekehrt ist.

Auch ich selbst, Beisitzer im OV München West/Mitte, wurde ein Opfer der sogenannten parteiinternen Demokratie in der AfD: so wurde ich hinter meinem Rücken als von den Mitgliedern des OV gewählter Direktkandidat für den WK 221 in einer unglaublich dreisten Nacht- und Nebelaktion des Restvorstandes durch einen neuen Kandidaten ersetzt, der allerdings drei Tage nach der Einsetzung als Direktkandidat die Brocken hingeworfen hat und aus der AfD ausgetreten ist.
So verfügt mein Ortsverband durch die Winkelzüge und das dilettantische Verhalten des Vorstands jetzt über gar keinen Direkt-Kandidaten mehr für den Wahlkreis 221. Mahlzeit.

Statt aus der Partei auszutreten, tun sich nicht wenige der persönlich verletzten, diffamierten, schlecht und unfair behandelten Mitglieder den Tort an, weiterhin in der Partei tätig zu sein, weil sie von der grundsätzlichen Richtigkeit der AfD überzeugt sind und darauf setzen, dass sich die Partei nach den Bundestags-wahlen intern wandeln wird. Ähnliches gilt auch für meine Person: trotz meiner sehr negativen Erfahrungen bleibe ich Beisitzer in meinem OV, weil ich den ehrlichen, anständigen, demokratisch und freiheitlich denkenden und fachlich kompetenten Mitgliedern Sitz und Stimme geben möchte.

Da sich die zurückgezogenen und auch ausgetretenen Mitglieder der AfD nach wie vor mit den Zielen dieser Partei solidarisch fühlen und nach meiner Einschätzung für unsere Partei sehr wertvolle Mitglieder sind bzw. wären, schlage ich vor, mit diesen das Gespräch zu suchen, Missverständnisse aufzuklären, Unstimmigkeiten zu beseitigen und aufeinander zuzugehen.

Ich denke, dass die AfD insbesondere auf diese durchweg wertvollen Persönlichkeiten nicht verzichten sollte, auch im Hinblick auf die längerfristigen Entwicklungen unserer Partei.

Herzliche Grüße aus München,

Jörg Schülke

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