Die Scheinheiligen aus der AfD Bayern: Dr. Brigitte Stöhr – die unsichtbare 1. Stv. Landesvorsitzende

Auf der Webseite der AfD Bayern keiner Silbe wert: Lebenslauf nicht einmal in Kurzfassung. Kein Foto. Schlichtweg nicht vorzeigbar? Ganz einfach: nicht der Rede wert.

Der Einzug in den Bundestag – das wäre der Eurorettungsschirm gewesen für die 53-jährige Münchnerin Dr. Brigitte Stöhr. Seit dem Jahr 2012 arbeitet die Chemikerin als „selbständige Beraterin“. Wie ärgerlich nur, dass der Gründungszuschuss des Arbeitsamtes zeitlich begrenzt ist.

Im Anschluss an die Förderung des Arbeitsamtes wäre ein Bundestagsmandat bequemer gewesen. Leider erreichte die Alternative für Deutschland nur 4,7% der Stimmen. Jetzt steht wohl knappes, staatliches Arbeitslosengeld 2 an statt luxuriöser, staatlicher Abgeordnetendiät.

Brigitte Stöhr in der Mitte zwischen Schuhverkäufer Michael Göschel und Bankrotteur Fritz Schladitz  von der Ostersonntagsbande auserwählte Pfingstnachrückerin Listenplatz 2 der AfD Bayern

Dr. Brigitte Stöhr in der Mitte
zwischen Schuhverkäufer Michael Göschel und Bankrotteur Fritz Schladitz
von der Ostersonntagsbande auserwählte Pfingstnachrückerin
Listenplatz 3 der AfD Bayern

Der Landesvorsitzende André Wächter interessierte sich brennend für Einzelheiten aus dem Leben seiner Vorstandskollegin. Die beiden sind sich nämlich mittlerweile spinnefeind. Lediglich das Wissen um die krummen Machenschaften und Unregelmäßigkeiten schweißt die beiden, wie den gesamten Landesvorstand, überhaupt noch zusammen.

Um an belastendes Material gegen seine Stellvertreterin zu gelangen, ließ der Werktags in München wohnende André Wächter sogar seine Freundin und in Coburg lebende Mutter seines Kindes Gesetze brechen und gegen ihren Arbeitsvertrag verstoßen. Die gutgläubige Frau benutzte ihre Arbeitsstelle im Arbeitsamt Coburg, um illegal an Informationen über Dr. Brigitte Stöhr zu gelangen.

Der Coburger André Wächter, frisch gekürter Oberbürgermeisterkandidat für München, legt Wert auf totalitäre Kontrolle im Landesverband Bayern. Es ist immer nützlich, jederzeit passende, kompromittierende Informationen parat zu haben. Die waren bei Dr. Brigitte Stöhr nicht schwer zu finden: der naiven Freundin Wächters sei Dank. Ihr droht nun ein Disziplinarverfahren durch das Arbeitsamt Coburg und sogar der Verlust des Arbeitsplatzes. Die Ratenzahlung des gemeinsamen Häuschens in Coburg ist gefährdet. Der Kontrollwahn eines deutlich überforderten Landesvorsitzenden gefährdet die berufliche und soziale Existenz einer jungen Familie.

Wie konnte es so weit kommen?

Auf der Gründungsversammlung des Bezirkes Oberbayern am 09.05.2013 stellten die Ostersonntagsgauner die unscheinbare Frau Stöhr das erste Mal einem größeren Publikum vor. Sie platzierten sie demonstrativ mit anderen Günstlingen am Tisch der Ostersonntagsbande um den damaligen Landesvorsitzenden Wolf-Joachim Schünemann. Der Landesvorstand suchte eine gefügige, ungefährliche und gesellschaftsfähige Frau für die ersten Plätze der bayerischen Landesliste. So stieß die Bande auf Brigitte Stöhr. Ihr Doktortitel galt zwar als das einzig Vorzeigbare an ihr, fiel jedoch umso mehr ins Gewicht, da die übrigen selbst erwählten Spitzenkandidaten, die Landesvorstandsmitglieder selber, wenig bis gar nichts vorzuweisen hatten. Auf besondere Empfehlung des „Tagungspräsidenten“ der Gründungsversammlung, André Wächter, damals Landesschatzmeister, wählten die Claqueure Stöhr auf Anhieb als 2. Stv. Vorsitzende in den Bezirksvorstand Oberbayern. Bei mehreren Wahlgängen übernahm sie die Vorstellung von Monica-Ines Oppel, die an diesem Tag verhindert war und daher unglücklicherweise den Einzug in den Bezirksvorstand knapp verpasste. Die Ostersonntagsbande brachte die Wächter-treue Juristin dann später als Landesschiedsrichterin und als Leiterin des Fachausschusses für Recht und Inneres unter.

v. l. n. r.: Michael Göschel,Jochen Seeghitz, Dr. Brigitte Stöhr, Andre Wächter, Marie von Kienlin, Fritz Schladitz (es fehlt: Tobias Zeiler) Ostersonntagsvorstand mit den Pfingstnachrückern Stöhr und Zeiler (nicht im Bild, da Gerüchte verbreitend)

v. l. n. r.: Michael Göschel, Jochen Seeghitz, Dr. Brigitte Stöhr, Andre Wächter, Marie von Kienlin (zurückgetreten), Fritz Schladitz (es fehlt: Tobias Zeiler)
Ostersonntagsvorstand mit den Pfingstnachrückern Stöhr und Zeiler (nicht im Bild)

An Pfingsten ergriff Brigitte Stöhr dann die zweite Chance in der „Partei der wirtschaftlichen Kompetenz“, wie sich die AfD gerne selbst bezeichnet: im Wohnzimmer der Ostersonntagsbande in Nürnberg und Dank der unterstützenden Propaganda Wächters & Co war die Wahl zur 1.stv. Vorsitzenden der AfD Bayern nur noch eine Formsache.

Ihre Leistungen für die AfD Bayern seit diesem Zeitpunkt lassen sich sehr kurz zusammenfassen:

Nichts.

Diese eindeutige Feststellung dürfte der letzte gemeinsame Nenner des völlig zerstrittenen Landesvorstandes der AfD Bayern sein.

Die Pressearbeit Stöhrs war schlichtweg katastrophal. Sie schaffte es, dass niemand aus der Medienlandschaft von Bernd Luckes Besuch in München kurz vor der Bundestagswahl erfuhr. Spätestens für diese Glanzleistung und zu diesem Zeitpunkt hätte die AfD Bayern sie ersetzen müssen.

Abgesehen von einer ostersonntagsbandenüblichen Aussage in der Süddeutschen Zeitung, dass es eben nicht so einfach sei, „diese Leute [die Mitglieder] auf eine einheitliche Linie zu bringen“ (SZ vom 7.7.13: Vorwürfe gegen bayerischen AfD-Landesvorstand: „Die Gier war größer als die Vernunft“) war von ihr nichts zu hören, nichts zu sehen. Eine komplette Fehlbesetzung. Bundestagswahlkampf? Stell Dir vor, es ist Wahlkampfzeit und alle gehen hin, nur nicht die 1. Stv. Vorsitzende. Traurig und beschämend, aber wahr.

So lässt der Landesvorstand Dr. Brigitte Stöhr auf seiner Propaganda-Webseite vorstellen

So lässt der Landesvorstand Dr. Brigitte Stöhr auf seiner Propaganda-Webseite vorstellen

Wofür sitzt Frau Dr. Brigitte Stöhr noch im Landesvorstand ?

Das weiß wirklich niemand und am wenigsten wahrscheinlich sie selbst.

Frau Dr. Stöhr, bitte tun sie uns allen einen Gefallen, und am meisten sich selbst. Alle aussichtsreichen Listenplätze und Fleischtröge sind außer Sichtweite. Es winken so schnell keine Abgeordnetendiäten mehr. Bitte machen Sie den Weg frei für Menschen, die in der AfD Bayern etwas beizutragen haben, Mitglieder, welche die AfD vorwärts bringen können, Parteifreunde, die überhaupt in der Lage sind, irgendetwas zu bewegen, und nicht nur auf einen bezahlten Posten warten.

Dann interessiert es auch keinen Menschen mehr, ob sie wirklich ein Problem mit oder ohne Alkohol haben, wie viele Zigaretten Sie am Tag rauchen, ob Sie bereits Hartz IV beziehen oder auch nicht, und ob wirklich nur ein einziges Kleid in Ihrem Schrank hängt.

Es ist uns wirklich egal. Allen.

Bitte nutzen Sie Ihre langjährige Industrieerfahrung und stellen sich dort wieder zur Verfügung. Man wird es Ihnen danken. In der AfD.

Sie bezeichneten die AfD als die „Partei des gesundes Menschenverstandes“. Lassen Sie uns Wort halten und diesen gemeinsam benutzen.

Bitte machen Sie den Weg freI.

Die Redaktion des Alternativen Newsletters sichert Ihnen freies Geleit und einen würdigen Abgang zu.

Lesen Sie Teil 1 und 2 unserer Serie “Die Scheinheiligen aus der AfD Bayern”:
Tobias Zeiler – Wächters williger Erfüllungsgehilfe
André Wächter – ein kleiner Sachbearbeiter will um jeden Preis nach oben

Die Scheinheiligen aus der AfD Bayern: André Wächter – ein kleiner Sachbearbeiter will um jeden Preis nach oben

Ein gelangweilter Durchschnittsbanker, der Blut geleckt hat, nimmt alles mit, was er kriegen kann: egal was, egal wie.

Nach der demütigenden Abwahl Schünemanns und dem manipulierten Wahlabbruch am 11.05.2013 in Ingolstadt wurde es eng um die Glücksritter der Ostersonntagsbande. Ein „weißer Ritter“ musste her, um den Karren aus dem tiefen Morast zu ziehen und die verkrachten Existenzen um Schünemann an der Macht zu halten, „die im normalen Leben nicht den Fuß über meine Türschwelle setzen dürften“ (so ein Ex-Mitglied in seinem Austrittsschreiben). Unter den Arbeitslosen, Bankrotteuren und Glücksrittern war die Auswahl verschwindend gering. André Wächter, der bisherige Landesschatzmeister, war wohl der Einzige, der einen zwar sehr durchschnittlichen, aber auf den ersten Blick erst einmal sauberen Lebenslauf aufzuweisen hatte. Da störte es nicht, dass er darüber hinaus über keinerlei herausragende Eigenschaften und Fähigkeiten verfügte. Er war die letzte Rettung für die Despoten um den gestrandeten Schünemann.

André Wächter  Landesvorsitzender der AfD Bayern versucht es mit einer Rede im Augustiner Keller in München

André Wächter
Landesvorsitzender der AfD Bayern
versucht es mit einer Rede im Augustiner Keller in München

Die Glücksritter hievten Wächter in das Amt des Landesvorsitzenden der AfD Bayern in einer komplett inszenierten und bis ins kleinste Detail geplanten Aktion auf dem Landesparteitag in Nürnberg, dem Wohnzimmer der frankenlastigen Bande, an Pfingsten dieses Jahres. Die Landesvorstandsmitglieder und ihre Günstlinge machten dort sogar den Volkswirtschaftsprofessor Michael Wüst nieder, während die Claqueure Fritz Schladitz‘ Prahlerei der wiederholten Steuerhinterziehung ausgelassen feierten. Die Macht der Ostersonntagsgauner war erst einmal gesichert.

Die Ostersonntagsbande versorgte ihren einstigen Capo Schünemann mit einem hoch dotierten Geschäftsführervertrag und einem aussichtsreichen Listenplatz für die Bundestagswahl. Erst als dummerweise die hohen, heimlichen Geldflüsse an ihn im Landesverband publik wurden, ließen die Kanaillen den lukrativen Vertrag verschwinden und degradierten ihn zum immer noch gut bezahlten Geschäftsstellenleiter der AfD Bayern in seinem Versicherungsbüro bis zur Bundestagswahl. Schünemann versucht jetzt, nach der ärgerlichen Rücknahme des überaus einträglichen Vertrages, mit dem sog. „Netzwerk Mühle“ die Macht wieder an sich zu reißen, um seinen Nachfolger und verhassten Rivalen André Wächter zu stürzen (siehe AN-Bericht vom 03.11.2013: Machtkampf in der Ostersonntagsbande – wird das „Netzwerk Mühle“ die AfD Bayern zermahlen?). Umgeben von Pleitiers wie Michael Meister gibt er doch tatsächlich vor, für Transparenz und Demokratie zu kämpfen. Ausgerechnet er, der genau darüber stürzte: Schünemann stand für übelste Repressalien und Politik nach Gutsherrenart. Er prägte den Begriff des Schünemannismus als Synonym für innerparteiliche Diktatur. Gerade er hatte die Grundwerte der AfD mit Füßen getreten und widerwärtig beschmutzt.

André Wächter setzt diese traurige Tradition heute übergangslos fort. Die AfD in Bayern ähnelt nach wie vor einem totalitären Überwachungsverein. Die StaSi wäre blaß vor Neid. Nicht nur Kritiker werden ausspioniert. Die Diktatur um Wächter schnüffelt nachweislich in den Email-Accounts aller Funktionäre in Bayern. Aktive werden überwacht und jede Art von Kritik wird sofort an die oberste Heeresleitung gemeldet. Aufkeimende Kritik wie Kritiker werden sofort im Keim erstickt. Der Schuhverkäufer und ehemalige Soldat Michael Göschel steht Wächter mit Rat und Tat zur Seite und glänzt mit altbewährten Bundeswehrmethoden. Selbständig denkende Mitglieder, die sich der totalen Unterwerfung verweigern, werden systematisch „ausgemerzt“.

Der Landesvorstand der AfD Bayern schreckt vor nichts zurück. Wobei sich die Lumpen in der Regel nicht gerne selbst die Finger beschmutzen, sondern die Drecksarbeit an willfährige Helfer delegieren. Gerade das Trio um Wächter, Göschel und Seeghitz ist in dieser Hinsicht sehr einfallsreich und umtriebig. Nur Tobias Zeiler, der übereifrige Grünschnabel der Bande, macht sich auch selbst die Finger schmutzig (siehe AN-Bericht vom 13.11.2013: Tobias Zeiler – Wächters williger Erfüllungsgehilfe). Zahlreiche freiwillige und begeisterte Helfer lassen sich sehr erfolgreich einspannen und zu Henkern heranzüchten. Rufmord ist eines der beliebtesten Mittel. Gefolgt von Drohungen und Erpressungen jeder Art. Selbst vor Androhungen körperlicher Gewalt schreckt das Ostersonntagsregime nicht zurück. Anschwärzungen bei Arbeitgebern und öffentlichen Behörden gehören noch zu den harmlosen Formen des ausgeübten Terrors. Und das System funktioniert! Zahlreiche erfolgreiche Eliminierungen denkender Mitglieder sprechen für sich (siehe auch die Austrittsschreiben einiger bayerischer Mitglieder). Jetzt vor dem bevorstehenden Landesparteitag am 07.12.13 in Dachau sind die Unterdrücker und ihre Helfer bayernweit wieder äußerst aktiv. Die Macht der Bande muss um jeden Preis erhalten bleiben.

André Wächter, 2. v.l., Mut zur Wahrheit? Oberbürgermeisterkandidat für München und wieder einmal Listenplatz 1 Stolz im Kreis der ersten 10 Stadtratskandidaten Der Coburger setzt sich u.a. für die Abschaffung der Zweitwohnsitzsteuer ein

André Wächter, 2. v.l., Mut zur Wahrheit?
Oberbürgermeisterkandidat für München und wieder einmal Listenplatz 1
Stolz im Kreis der ersten 10 Stadtratskandidaten
Der Coburger setzt sich u.a. für die Abschaffung der Zweitwohnsitzsteuer ein

Während die Henker beinahe unbemerkt im Hintergrund agieren, schob sich André Wächter wieder einmal auf einen aussichtsreichen Spitzenplatz. Für den unverheirateten Coburger spielt es keine Rolle, an welchem Honignapf er sich in Zukunft laben wird. Hauptsache, der Honig wird in Form von Macht, Geld und hilfreichen Kontakten fließen. Welche Rolle spielt es da, ob er in den Bundestag einziehen wird, ins Europaparlament oder in den Münchner Stadtrat? Keine. Hauptsache raus aus dem langweiligen Sachbearbeiterjob bei der Bundesbank. Niemanden mehr fragen müssen, ob er ein Telefonat führen darf. Während sich seine Freundin um das gemeinsame Kind in Coburg kümmert, genießt der 40 Jährige sichtlich sein zweites Leben in München. Er gilt nicht als Mann von Traurigkeit und wird immer wieder in der Münchner Nachtszene gesichtet. Gleichzeit arbeitet seine Freundin in einer öffentlichen Behörde, um das gemeinsame Häuschen zu finanzieren. Diese Frau soll sogar ihren Arbeitsplatz beim Arbeitsamt dazu genutzt haben, um wertvolle Informationen über Rivalen und Gegner, nicht nur aus dem Landesvorstand, zu besorgen.

André Wächter ist der Inbegriff der Mittelmäßigkeit. Er besticht weder durch Intelligenz noch durch seine Rhetorik, wie man es vom Vorsitzenden eines Landesverbandes erwarten dürfte. Seine Schriftstücke sind allesamt peinlich und nicht vorzeigbar. Jetzt hilft ihm Katharina Klein auf die Sprünge, um zu verbergen, was nicht sein darf. Auch im Bundestagswahlkampf glänzte Wächter mit Abwesenheit. Aus Angst als Hochstapler entlarvt zu werden, drückte er sich vor Fernsehauftritten und Interviews, wo immer es ging. Seine wenigen Auftritte waren alles andere als Glanzstücke. Baden-Württemberger Parteifreunde urteilten über sein Auftreten auf dem kürzlichen Parteitag der AfD im Ländle: „Er wurde mehrmals vom Publikum aufgefordert, sich mit Meinungsbeiträgen zurückzuhalten und sich auf die Versammlungsleitung zu beschränken. Wirkte nicht immer souverän“ und „seit ich den Herrn Wächter heute erlebt habe, weiß ich unseren Vorstand mehr zu schätzen.“ Wächter fehlt es grundlegend an Substanz.

André Wächter ist eine dünne Luftnummer, der Landesverband Bayern eine reine Zensurbehörde. Nur in einer einzigen Hinsicht wird Wächter permanent unterschätzt: in seiner Bereitschaft zum Intrigieren. Dem Ehrgeizling ist seine Durchtriebenheit schlichtweg nicht anzusehen. Und genau das macht ihn gefährlich. Zum Machterhalt ist er – wie schon sein Vorgänger – zu allem bereit. Er schreckt vor nichts zurück, macht sich aber selten die Hände selbst schmutzig. So viel hat er gelernt in seiner kurzen politischen Laufbahn. Niemals hätte er gedacht, dass er jemals Politiker werden könnte. Und jetzt steht er mittendrin. Und durch Zufall sogar ganz vorne. Das lässt er sich nicht mehr entgehen.

Hat es mit dem Bundestag nicht geklappt, ärgerlich, da probiert er es jetzt mit einer Klage. Zusammen mit dem bisherigen Erzfeind, dem Münchner Rechtsanwalt Dr. Franz Wagner, ständig übergangenes Mitglied des Bundesschiedsgerichtes, zog er vor Gericht und focht die Bundestagswahl an. Die beiden ungleichen Männer verbindet der unbedingte Wille zur Macht. Der als seltsam verschroben geltende Partner einer Münchner Rechtsanwaltskanzlei hatte noch in diesem Sommer lautstark den Rücktritt des unfähigen André Wächter gefordert. Der wiederum hatte die Direktkandidatur des ehrgeizigen 48-jährigen Juristen auf hinterlistige Weise zu verhindern verstanden. In der Politik sind viele käuflich, leider nicht nur in den etablierten Parteien. Ein in Aussicht gestellter Posten kann Wunder wirken und so manche Feindschaft in eine eine wundersame, politische Zweckbeziehung verwandeln.

Die AfD war angetreten, um anders zu sein als die etablierten Parteien. Jetzt ist sie dank solcher Führungskräfte wie Wächter genauso, und damit schlimmer, weil sie ihren eigenen Anspruch innerhalb kürzester Zeit verriet. Wächter ist sogar noch stolz darauf. Ging es ihm jemals um alternative Politik? Wohl kaum. Ihm und seinen Mitstreitern aus dem Landesvorstand geht es sehr offensichtlich nur um persönliche Vorteile, um Macht und Einkommenssicherung. Die Ziele der AfD geben sie allesamt preis.

Jetzt ist Wächter Oberbürgermeisterkandidat für die Kommunalwahl in München und möchte als Stadtrat an die lukrativen Fleischtröge und an die parlamentarische Macht. So wie er es bisher, abgesehen von seinen politischen Versprechen (O-Ton in Nürnberg: „Ich werde nicht für die ersten Listenplätze der Bundestagswahl kandidieren“) und vom Wahlprogramm der AfD, immer hielt, wird er weitermachen: Er lässt andere die Arbeit machen. Er zieht sich zurück, wo und wie er nur kann. Frei nach dem Motto: wer nichts tut, macht schon mal keinen Fehler. Das ist seine Paraderolle.

Im Landesverband Bayern herrscht absoluter Stillstand. Wächter und Konsorten verfolgen nur ihre eigenen Interessen.

Ganz im Stil der Politik Merkels: Nichts tun. Nichts entscheiden. Aussitzen. Macht sichern.

Genau das wollten wir doch verändern! Dazu haben wir die Alternative für Deutschland gegründet. Und jetzt sitzen wir gefangen in derselben Warteschleife.

Am kommenden Samstag wird in Dachau der nächste Landesparteitag stattfinden.

Ein Funken Hoffnung keimt auf. Es regt sich Widerstand hinter den Kulissen. Einige Mitglieder stellten den Antrag auf die Abwahl des zweiten stellvertretenden Vorsitzenden Fritz Schladitz, dem unfähigen Oberpleitegeier und Dampfplauderer des LV. Wächter wollte diesen Antrag mit aller Macht verhindern. Er weiß zu genau, dass der Vorstandskollege Schladitz nicht gehen wird, ohne seine Kollegen mitzureißen. Denn das Einzige, was diese Bande im Landesvorstand noch miteinander verbindet, ist das gemeinsame Wissen um Unregelmäßigkeiten und Gaunereien. Damit erpressen sie sich gegenseitig.

Liebe Parteifreunde der AfD Bayern, die Ihr noch immer an unsere Werte glaubt:

Setzt diesem unwürdigen Treiben im Landesvorstand ein Ende. Ihr habt es in der Hand.

Wollt Ihr wirklich einen totalitären Überwachungsverband und einen Wahlverein für Wächter, Göschel, Stöhr & Co? Oder wollt Ihr noch immer Transparenz, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Ihr habt es in der Hand!

Lesen Sie Teil 1 unserer Serie „Die Scheinheiligen aus der AfD Bayern“: Tobias Zeiler – Wächters williger Erfüllungsgehilfe

Kooptations- und Ernennungswahn in der AfD Bayern – Ostersonntagsbande verstößt gegen §11 (2) des Parteiengesetzes

Seit Beginn der paralysierenden Usurpation des Landesverbandes Bayern der Alternative für Deutschland durch die mittlerweile in sich zerstrittene Ostersonntagsbande, verstößt der bayerische Landesvorstand gegen geltendes Recht und Gesetz, um die Interessen der Bande und ihrer Günstlinge durchzusetzen. Beispielsweise musste die sowieso schon gleichgeschaltete Delegiertenversammlung zur Aufstellung der Landesliste kostspielig wiederholt werden, da sich die Landesvorstandslumpen unrechtmäßige Stimmgewichte gönnten, um sich und ihre treuesten Mitläufer auf die aussichtsreichsten Listenplätze zu wählen. Der selbstgefällige, doppelzüngige Landesvorsitzende und flügellahme Bandenführer André Wächter kürte sich zum Spitzenkandidaten der AfD Bayern, nachdem er den Mitgliedern zuvor auf dem Nürnberger Pfingstlandesparteitag versprach, nicht für die vorderen Listenplätze zu kandidieren.

Wahlen und Abstimmungen sind im Landesverband der Ostersonntagsbande von Anfang an die reinste Farce. Sie dienen lediglich der scheindemokratischen Bestätigung und Legitimation der in Hinterzimmern abgesprochenen Personal- und Sachentscheidungen (wobei im Landesverband der Ostersonntagsbande inhaltliche Akzente mit einem leistungsstarken Mikroskop zu suchen sind) und werden von den Ostersonntagsdiktatoren mit Hilfe verschiedenster Techniken manipuliert: u.a. Erzeugen von Zeitdruck, Propagandanewsletter im Vorfeld, Vorenthalten wesentlicher Informationen, parteiische Versammlungsleitung, Diskreditierung der Mitbewerber und Kritiker, späte und keine Vorstellung der Gegenkandidaten, Bekanntmachung nur linientreuer Kandidaten, Blocklisten bei Aufstellungsversammlungen, Ordnungsmaßnahmen (bis hin zu Ausschlüssen), Bestechung der Günstlinge und Claqueure durch Versprechen (v.a. Ämter und Kandidaturen), Lug und Trug, Wahl-/Versammlungsabbruch.

Wann und wie es immer möglich ist, umgehen die bayerischen AfD-Diktatoren allerdings die Pseudo-Einbindung der Parteimitglieder. Eines der beliebtesten Herrschaftsinstrumente dabei ist die Ernennung und Kooptation von Vorstandsmitgliedern und Funktionären. Auf diese Art und Weise lässt sich der Landesverband viel bequemer gleichschalten. Dieses Instrument erlaubt Wächter, Göschel &Co. eine linientreue und unterwürfige Landesverbandselite im eigenen Sinne zu schaffen. Künstlich, diktatorisch, undemokratisch – ganz ohne Wahlen und ohne die Beteiligung der Parteimitglieder. Schon die meisten der oftmals durch ihre Blockwartmentalität erschütternden Gründungsbeauftragten der Kreise waren hörige Untertanen der Ostersonntagshalunken. Natürlich waren sie nicht gewählt, sondern ausgewählt durch die Bande um Schünemann und Wächter.

Grundsätzlich stellen wir ernsthaft in Frage, ob das Vorstandsressort Organisation in den Händen des aufgeblasenen und eindimensionalen (Ex?)Bundeswehrsoldaten Michael Göschel gut aufbewahrt ist. Der redselige Maulheld tickt eisern nach dem Organisationsverständnis der Armee, die ja gerade nicht demokratisch organisiert, sondern strikt hierarchisch strukturiert und gegliedert ist und autoritär arbeitet. Eine Partei ist keine Armee. Parteimitglieder sind keine Soldaten, die den Befehlen ihrer Offiziere blind Folge zu leisten haben. Parteifunktionäre sind keine Offiziere, die vom Landesvorstand ernannt werden, mechanisch deren Weisungen ausführen und in den unteren Gliederungen durchsetzen müssen. Ein Landesvorstand ist keine Heeresleitung. Zweifellos haben die Parteimitglieder ihre Amtsträger und Funktionäre zu wählen. Dies ist in einer demokratischen Partei nicht die Aufgabe und Befugnis des Landesvorstandes.

Die Leiter der intransparenten Fachausschüsse unter dem Landesschriftfehler Göschel wurden komplett ernannt. Nicht etwa die bayerischen Parteimitglieder wirken u.a. bei der Programmfindung mit und entscheiden über die jeweiligen Vorsitzenden der Fachausschüsse. Nein, Großmaul Göschel selektierte sich eine treu ergebene Funktionärs-Korpstruppe um seinen Programmoberst Stephan Schmidt. Im Nachhinein versuchte die Ostersonntagsbande Göschels Fachausschuss-Korpstruppe nun einen demokratischen Anstrich zu geben. Die Parteimitglieder wurden halbherzig aufgerufen, sich für die einzelnen Fachausschüsse zu bewerben, deren Leitung und Zusammensetzung längst feststanden. Aus den eingegangen Bewerbungen wählten sich General Göschel, Oberst Schmidt und die ernannten Fachausschussleiter ein paar konforme Fachausschussmitglieder aus – zum Auffüllen ihrer Korpstruppe. In scheindemokratischen Wahlen wurden die ernannten Fachausschussleiter und -mitglieder bestätigt.

Die vom Landesvorstand beschlossenen, in Teilen diktatorischen Geschäftsordnungen der Fachausschüsse lassen den Ostersonntagsdespoten nach wie vor die freie Hand bei der Besetzung der Ausschüsse. Unliebsame Mitglieder müssen natürlich erst gar nicht aufgenommen werden: „Der Landesvorstand der Alternative für Deutschland LV Bayern hat ein jederzeitiges Vorschlags- und Vetorecht zur Aufnahme oder Ablehnung eines Mitglieds in den Landesfachausschuss.“ Demokratie sieht anders aus. Wie nahezu alles in der AfD Bayern, blieb die Arbeit der Fachausschüsse bisher vollkommen im Dunkeln. Die Ergebnisse werden den Parteimitgliedern erst auf oder allenfalls kurz vor Parteitagen zum schnellen Abnicken vorgelegt werden. Es ist zu überprüfen, inwieweit die undurchsichtigen Fachausschüsse der Ostersonntagsbande Parteiorgane sind. Parteiorgane und ihre Rechtsordnungen sind gesetzlich zu einem Mindestmaß an Demokratie verpflichtet und müssen durch demokratische Wahlen bzw. Abstimmungen zustandekommen.

In ihrer Kontroll- und Machtgier entschieden die Ostersonntagsschurken die Anzahl der Landesvorstände bewusst gering zu halten. Seit dem Rücktritt Marie von Kienlins tummeln sich im Landesvorstand lediglich 6 gewählte Glücksritter, Pleitiers und verkrachte Existenzen. Im Vergleich dazu hat die AfD Baden-Württemberg 14 Landesvorstände. Selbstverständlich setzten die Ostersonntagsautokraten auch im Landesvorstand ihre Ernennungs- und Berufungsmanie fort. Von Anfang an kooptierten sie Landesvorstände und ernannten gefügige Funktionäre, um die Erledigung ihrer Vorstandspflichten und -Aufgaben halbwegs zu gewährleisten, um Günstlinge mit Ämtern zufrieden zu stellen und um käufliche Kritiker ruhig zu stellen. Einige Monate lang erfuhren die bayerischen Mitglieder überhaupt nichts über die ausufernden Amigo-Erweiterungen ihres Landesvorstandes. Seit einiger Zeit aktualisiert die Gang stolz ihr Vorstandsorganigramm und jedes Parteimitglied kann nun online nachvollziehen, welcher Günstling und Claqueur gerade in den Landesvorstand kooptiert wurde oder auch wieder in Ungnade fiel, da er plötzlich vom Organigramm verschwand. 8 kooptierte Landesvorstandsmitglieder erweitern aktuell den Ostersonntagsvorstand, darunter die 7 Bezirksvorsitzenden der AfD Bayern sowie Thomas Eisinger, kooptiert als Vorstand Kommunikation/ Online, und Dr. Franz Eibel, kooptiert als Bezirksvorstand und als Vorstand Presse.

War bereits die Ernennung Göschels Fachausschuss-Korpstruppe rechtlich bedenklich, so verstoßen die bayerischen AfD-Diktatoren in ihrer blinden Machtgier mit der überbordenden Kooptation von Vorstandsmitgliedern seit Monaten mehrfach gegen §11 (2) des deutschen Parteiengesetzes:

„Dem Vorstand können Abgeordnete und andere Persönlichkeiten aus der Partei kraft Satzung angehören, wenn sie ihr Amt oder ihr Mandat aus einer Wahl erhalten haben. Der Anteil der nicht nach § 9 Abs. 4 gewählten Mitglieder darf ein Fünftel der Gesamtzahl der Vorstandsmitglieder nicht übersteigen.“

1. Der kooptierte Landesvorstand Thomas Eisinger ist Bayerns Superkooptierter. Er hat kein Amt oder Mandat aus einer Wahl inne. Auch in seinem Kreisverband wurde der intrigante Augsburger lediglich in den Kreisvorstand berufen und fungiert nur als kooptierter Vorstand. Die Kooptation Thomas Eisingers in den bayerischen Landesvorstand ist somit rechtswidrig und verstößt gegen das Parteiengesetz.

2. Gesetzlich steht dem bayerischen Landesvorstand nur die Kooptation eines Landesvorstandsmitglieds zu. Die Ostersonntagsbande kooptierte rechtswidrig mindestens 7 Landesvorstände und verstößt damit gegen das Parteiengesetz.

Wir erinnern an das Wahlprogramm der AfD: „Wir fordern, den Rechtsstaat uneingeschränkt zu achten.“

Ohne jeden Zweifel widersprechen sowohl die Idee wie die Praxis einer derartigen manipulierten Elitenbildung in der AfD Bayern durch Kooptation und Ernennung (sowie beeinflußten und scheindemokratischen Wahlen und Abstimmungen) den Prinzipien und der politischen Wirklichkeit echter demokratischer Ordnungen. Jede demokratische Partei geht von der Gleichheit der politischen Rechte und Chancen aller Parteimitglieder aus. Jede demokratische Partei setzt die Mitwirkung aller Parteimitglieder bei der Bildung des politischen Willens, der demokratischen Kontrollierbarkeit und Beeinflussbarkeit aller Parteientscheidungen voraus. Die Herausbildung einer Parteiminderheit, der das Geschäft der Parteiführung und -verwaltung auf Grund besonderer, von der Ostersonntagsbande geförderter, gezüchteter, sozialer Qualitäten ohne jede Begrenzung obliegt und die nur gelegentlich aus dem Reservoir der Mitglieder durch Kooptation und Ernennung (und durch manipulierte Wahlen) von oben her ergänzt wird, bedeutet einen unaufhebbaren Widerspruch zum Grundanliegen jeder demokratischen Partei: Die Auffassungen und Meinungen der Parteimitglieder müssen in allen ihren Schichten und Willensgruppen in Übereinstimmung gebracht werden mit dem politischen Willen, der in den Parteiorganen gebildet wird. Der Gesetzgeber verabschiedete u.a. den §11 (2) des Parteiengesetzes vor diesem Hintergrund: Die innerparteiliche Demokratie ist ein Gebot unserer Rechts- und Staatsordnung und es gilt innerparteiliche Diktaturen zu verhindern, die sich zur Gefahr für unser Staatswesen insgesamt ausweiten können.

Das Prinzip der innerparteilichen Demokratie ist im Grundgesetz und im Parteiengesetz verankert und sieht eine Willensbildung von unten nach oben vor. Nicht von oben nach unten, wie das gerade in der AfD allerorts abläuft. Mitgliederbeteiligung und Mitbestimmung beschränkt sich im Augenblick nur aufs Ja-Sagen. Schon ein zaghaftes, schüchternes Nein kann pogromartige Verfolgungen in der AfD auslösen. Der beschriebene undemokratische und diktatorische Zustand des bayerischen Landesverbandes steht dabei exemplarisch für die Situation vieler Landesverbände und stellt eine Schande für eine Partei dar, die angeblich für mehr Demokratie steht.

Wir empfehlen allen demokratisch gesinnten und engagierten Parteimitgliedern sich für ein Mindestmaß innerparteilicher Demokratie einzusetzen und den Rechtsweg einzuschlagen, d.h. zunächst gegen den Landesvorstand wegen des Verstoßes gegen §11 (2) der Parteiengesetzes beim Landesschiedsgericht zu klagen und dann im Falle der zu erwartenden und widerrechtichen Verschleppung und Abweisung des Verfahrens durch das linientreue, gleichgeschaltete Schiedsgericht in die nächste Instanz zu gehen. Außerdem ist es zu befürworten, die Anzahl der demokratisch gewählten Landesvorstandsmitglieder zu erhöhen.

Die Scheinheiligen aus der AfD Bayern: Tobias Zeiler – Wächters williger Erfüllungsgehilfe

Tobias Zeiler, der 28 Jährige, ehrgeizige Sprössling einer Raumausstatter-Familie aus Kempten im Allgäu, machte schon als Schüler in der ersten Reihe auf sich aufmerksam. In der Pause senkte er seinen Blick und versteckte sich vor der drohenden Prügel der Hinterbänkler, die er bei den Lehrern schlecht machte und verpetzte. Zeiler fühlt sich nur sicher unter Seinesgleichen und im Schutze der Autoritäten, denen er besessen nacheifert und besinnungslos vertraut.

Tobias Zeiler in der Mitte fühlt sich wohl unter Männern hier mit den Burschen der Tuiskonia

Tobias Zeiler in der Mitte
fühlt sich wohl unter Männern
hier mit den Burschen der Tuiskonia

Nach seiner Hochschulreife wagte er den Sprung in die weite Welt nach München und studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität. Um Anschluss zu finden und nützliche Kontakte zu sammeln, trat der gegenüber Frauen gehemmte und verklemmte junge Mann in die katholische, farbentragende Verbindung Tuiskonia ein und verpflichtete sich den Prinzipien Glaube, Wissenschaft, Freundschaft und Heimat. Seine Wochenenden verbrachte er, wie heute noch, überwiegend bei seinen Eltern im Allgäu, um sich umsorgen und bemuttern zu lassen. Dieses Jahr schloss Zeiler endlich sein Studium der Neuen Geschichte und der politischen Wissenschaften ab. Seine erste Anstellung fand er aber nur in Teilzeit als Marketing Assistent bei einem IT-Dienstleister in München. Da bleibt zwar weniger Zeit für Burschenabende unter Männern, aber viel Zeit für seine neue, große Leidenschaft: Eine aalglatte Blitzkarriere in der Alternative für Deutschland.

Per Twitter verkündet Zeiler die frohe Osterbotschaft  heute hat der Neuhistoriker diese geschichtsträchtigen Tweets gelöscht

Per Twitter verkündet Zeiler die frohe Osterbotschaft
mittlerweile löschte der Neuhistoriker diese geschichtsträchtigen Tweets

Der überzeugte Katholik Tobias Zeiler verbrachte diese Ostern aber nicht im Gottesdienst und beim fröhlichen Ostereiersuchen im Elternhaus, sondern er sündigte und besuchte den einschneidenden Gründungsparteitag der AfD Bayern in Ebersberg. Dort nickte er entschlossen die Amigos um den Franken Wolf-Joachim Schünemann als Landesvorstände mit ab. Es störte den Politikwissenschaftler wenig, dass der Parteitag unter Ausschluss der Mitgliedermehrheit und der Öffentlichkeit stattfand, waren doch so aus seiner Sicht weniger Konkurrenten im Kampf um Beachtung da. Erfolgreich buckelte er in den ersten Reihen des heruntergekommenen Versammlungssaals in Ebersberg um erste Kontakte und erhaschte die Aufmerksamkeit des Wahlalternativen-Bekanntenkreises, der Führung der AfD Bayern.

Besonders die fränkischen Landesvorstände André Wächter, Sachbearbeiter der Bundesbank, schon vor der Gründung des Landesverbandes selbsternannter Gründungsbeauftragter der AfD München, der mitgliederstärksten Region Bayerns, und Michael Meister, Pleiteunternehmer, selbsternannter Gründungsbeauftragter des Bezirkes Schwaben, waren sofort angetan und sahen Zeilers Talent zur bedingungs- und kritiklosen Hörigkeit. Fortan nahmen sie ihn unter ihre Fittiche. Tobias Zeiler durfte Gründungsversammlungen in ihren Kreisen und Bezirken mit vorbereiten, Verbände mitgründen, Koffer tragen, Wasserflaschen reichen, innerparteiliche Stimmungen aushorchen und berichten. Tobias Zeiler bewährte sich.

Die Landesvorstände lehrten ihn über die Gefahren selbständig denkender und demokratisch handelnder Parteimitglieder. Kontakte unter den bayerischen Mitgliedern waren tunlichst und wenn nötig auch auf heftige Art und Weise zu unterbinden, noch bevor Fakten geschaffen waren – für Deutschland, für Lucke, für den Landesvorstand, für Schünemann, für Wächter, für Meister. Die Führungen der Kreisverbände waren mit ausgewählten, möglichst devoten und gleichgesinnten Kreisbeauftragten zu besetzen. Hierbei galt es die Kontrolle über die konstituierenden Versammlungen zu gewinnen, Bewegungen im Publikum frühzeitig zu erkennen, Eigeninitiativen der Mitglieder zu verhindern, erwünschte Kandidaten zu propagieren und ungewünschte Kandidaten gar schon im Vorfeld zu verunglimpfen. Tobias Zeiler war ein gelehriger Schüler.

Tobias Zeiler  williger Erfüllungsgehilfe Wächters im Landesvorstand Bayern

Tobias Zeiler
williger Erfüllungsgehilfe Wächters im Landesvorstand Bayern

Meister hatte als Gründungsbeauftragter von Anfang an Schwierigkeiten im Bezirk Schwaben und brachte viele Mitglieder gegen sich auf. Kein Bezirk durfte außer Kontrolle geraten. Und Zeiler hatte sich ein Zuckerl verdient. So kommandierte ihn der Landesvorstand nach Schwaben ab und hievte ihn als Schriftführer in den Bezirksvorstand. Da machte es auch nichts aus, dass er seinen Wohnsitz im oberbayerischen München hatte und hat. Im Landesverband der Ostersonntagsbande ist alles möglich. Die auf schüchtern machende Mutter Claudia, Schriftführerin im Kreisverband Oberallgäu, war unheimlich stolz auf ihren aufstrebenden Buben. Tobias Zeiler war ein meisterhafter Vasall.

Am Ingolstädter Parteitag stürzte die Parteibasis ihren Landesvorstand. Zeiler rang mit seiner Fassung, war den Tränen nah, wusste nicht mehr weiter, wurde schließlich sogar kriechend bei der Opposition gesehen. Doch die Ostersonntagsbande rettete sich und erklärte die Abwahl für ungültig. Schünemann trat auf Bestreben des Bundesvorstandes nicht mehr zur Folgewahl an Pfingsten beim Heimspiel der Ostersonntagsbande in Nürnberg an. Wächter, der angebliche „weiße Ritter“, übernahm die Führung der AfD Bayern und der Bande. Meister war u.a. wegen einer bestehenden Haftanordnung nicht mehr tragbar – die Chance für den gefügigen und formbaren Zeiler. Bis zuletzt hatte er Meister beigestanden, nun ersetze er ihn als stellvertretender Schriftführer im Landesvorstand. Tobias Zeiler wurde ein Landesvorstand von Wächters Gnaden und stets zu seinen Diensten.

Als Landesvorstand macht Zeiler nichts anderes als vorher auch. Er sieht sich als „Springer“, der dort mithilft, wo Wächter ihn nötig hat. In der Propagandaabteilung ist er weiterhin mit dabei und verfasst die unsäglich peinlichen offiziellen Newsletter des Landesvorstandes mit, die stets mehr Fragen aufwerfen als sie zu beantworten. Er hilft bei Veranstaltungen mit und drängt sich auffällig immer wieder in die erste Reihe, wenn prominente Parteigrößen anwesend sind, in der Hoffnung weiter nach oben durchrutschen zu können. Bei jeder Veranstaltung, bei jeder noch so unpassenden Gelegenheit, gibt er sich als Mitglied des Landesvorstandes zu erkennen. Im Intrigieren machte er jedoch die größten Fortschritte und er beteiligt sich treu ergeben auch an jeder noch so dreckigen Rufmordkampagne Wächters und der Ostersonntagsbande. Zur Belohnung reiste er auf Mitgliederkosten zur Wahlparty der AfD nach Berlin. Tobias Zeiler ist Wächters allzu willfähriger Erfüllungsgehilfe.

Demnächst wird ein Landesvorstand für die vor Monaten zurückgetretene Marie von Kienlin nachgewählt werden müssen. Wächter und die Bande haben bereits wieder einen weiteren willigen Helfer herangezogen, einen Grünschnabel wie Zeiler.

Buchtipp – Heinrich Mann, Der Untertan

»Dieses Buch Heinrich Manns, heute, gottseidank, in aller Hände, ist das Herbarium des deutschen Mannes. Hier ist er ganz: in seiner Sucht zu befehlen und zu gehorchen, in seiner Roheit und in seiner Religiosität, in seiner Erfolgsanbeterei und in seiner namenlosen Zivilfeigheit.« Kurt Tucholsky

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Der Untertan ist der Prototyp des deutschen (Spieß-)Bürgers um die Wende zum 20. Jahrhundert. Heinrich Mann beschreibt ihn als „Chauvinisten ohne Mitverantwortung“, „Machtanbeter“ und „Autoritätsgläubigen wider besseres Wissen“. Nach oben buckeln und nach unten treten, lautet die Maxime des Kriechers Heßling. Opportunismus als Erfolgsprinzip. Auf Reisen in Italien, sieht der Geschäftsmann endlich die Chance gekommen, seinem Herrn und Gebieter Wilhelm II. einen Dienst zu erweisen. Er soll eine Festrede halten; bei einem Gewitter jedoch löst sich alle Ordnung auf. Eine satirische Apokalypse nimmt die Selbstzerstörung des selbstherrlichen Wilhelminismus voraus.