Wieviele Austritte, wieviel Aufklärung, wieviele Skandale haben wir noch nötig? Wann werden die Mitglieder der Alternative für Deutschland endlich aufwachen, die Machen- und Seilschaften des Großteils unseres Führungspersonals und die diktatorischen Vorgehensweisen von Oben nicht mehr tolerieren, sondern die Partei zu dem machen, was sie verspricht: zu einer Alternative? Wer die Augen verschließt und kopflos mitläuft, macht sich mit schuld am Scheitern des Projektes AfD.
An die „Alternative“ für Deutschland
Landesverband NRW
Rosmarinstr.33
40235 Düsseldorf
Betr.: Mein Austritt aus der AfD
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit erkläre ich meinen Austritt aus der AfD, widerrufe meine Einzugsermächtigung und bitte um eine Bestätigung, dass meine von der AfD gespeicherten Daten gelöscht werden.
Begründung:
Ich wurde auf einer AfD Veranstaltung in Oberursel von Bernd Lucke als Mitglied mit dem Versprechen geworben, dass es nun eine echte Alternative zu den Blockparteien und deren „Euro-Rettungspolitik“ gibt. Damals habe ich Bernd Lucke noch geglaubt und mich in den ersten Wochen sehr engagiert. Habe viel Zeit in die Organisation des Gründungsparteitages in NRW investiert. Habe einen Sponsor akquiriert, der einen 6 stelligen Betrag für die AfD finanzieren wollte. Habe Prof. Hans-Olaf Henkel nach Krefeld und Prof. Joachim Starbatty nach Köln geholt. Habe auf Bitten von Herrn Prof. Alexander Dilger für diesen eine „Brücke“ zu Herrn Martin Renner gebaut. Habe den Bundes- und den Landesvorstand vor der Kandidatenaufstellung in Schmallenberg vor einer Unterwanderung durch die Düsseldorfer Freie Wähler- Gruppe um den wegen Volksverhetzung vorbestraften Geschäftsführer Torsten Lemmer gewarnt. Gleichwohl hat man – in Anwesenheit von Mitgliedern des Bundesvorstandes – ein Mitglied dieser Düsseldorfer Gruppe auf einen sicheren Listenplatz gewählt ohne ihn nach politischer Vergangenheit als Ex-Republikaner zu befragen. Gleichwohl wurde dieser Ex-Republikaner- nachdem seine Vergangenheit bekannt war- zum Schatzmeister des Kreisverbandes Düsseldorf gewählt. Dies zeigt, wie glaubwürdig der Düsseldorfer Appell ist.
Mit großer Enttäuschung muss ich heute feststellen, dass die AfD nach meinem persönlichen Eindruck eine Mogelpackung ist. Sie will sich gar nicht gegen das System stellen, sondern möchte dieses laut Herrn Bernd Lucke im Falle eines Wahlsieges sogar „tolerieren“. Sie will in Wirklichkeit ein Teil des politischen Systems werden, um an den Honigtöpfen der Macht zu lecken.
Wie will die AfD unsere Schuldenkrise bekämpfen, wenn sie noch nicht einmal bereit ist, die wirklichen Ursachen der Krise zu diskutieren, sondern nur an Symptomen, wie der Überschuldung der Südländer herum operieren will? Und das auch noch mit Strategien, die weder erprobt noch voll durchdacht sind! Die Menschen suchen Sicherheit aber keine Experimente.
Auch der interne Umgang mit Mitgliedern, die eine eigene Meinung haben, zeigt, dass die AfD keine wirkliche Alternative, sondern nicht besser ist, als es die etablierten Parteien sind. Leider hat die AfD meinen Vorschuss an Vertrauen schnell verbraucht. Kritiker, die jede Organisation braucht, um besser zu werden, sind in der AfD nicht erwünscht, sondern werden als „Querulanten“ diffamiert. Satzungen und Geschäftsordnungen werden so hingebogen, wie man es jeweils braucht. Demokratisch gewählte Mitglieder des Bundesvorstandes haben in wichtigen Fragen weniger Informationen und weniger Einfluss als einige Mitglieder, die nicht im Bundesvorstand sitzen, aber das Vertrauen des autoritären AfD Führers Bernd Lucke genießen. Persönliche Meinungen einzelner „Experten“ werden in Pressemitteilungen als das Programm der AfD verkündet.
Mein Fazit: Die AfD ist nicht reif genug, um die Interessen der Bürger im Bundestag zu vertreten. Sie hat noch kein belastbares, von einem Parteitag diskutiertes und verabschiedetes Programm. Sie ist elitär und wird ihrem Anspruch nach Stärkung der Demokratie innerhalb der eigenen Partei nicht gerecht. Sie zeichnet sich nicht durch Führungskräfte mit Format aus, die meine Ansprüche an Glaubwürdigkeit und Professionalität erfüllen. Die AfD gaukelt dem Wähler nach meiner persönlichen Meinung nur vor, sie hätte eine belastbare Strategie, wie sie Deutschland aus der Schuldknechtschaft und der Bankenkrise befreien will.
Ich habe bei der AfD viele engagierte Menschen getroffen, die einer guten Sache dienen wollten. Diesen Mitgliedern zolle ich meinen Respekt. Etliche davon wurden von ehrenamtlichen Funktionären der AfD (in anderen Zeiten hat man solche Funktionsträger als „Blockwarte“ bezeichnet, aber diesen Begriff will ich im Zusammenhang mit der AfD nicht verwenden) mit fragwürdigen Methoden durchleuchtet und einige davon wurden vom Landesvorstand torpediert oder kaltgestellt.
Ich habe leider auch viele Menschen kennengelernt, die gescheitert sind und in der neu gegründeten Partei nur eine Chance für ihr persönliches Fortkommen sehen. Etlichen Bundestagskandidaten mangelt es an sozialer und fachlicher Kompetenz. Von solchen Karrieristen möchte ich nicht im Bundestag vertreten werden. Deshalb wird die AfD am 22.9.13 meine Stimme nicht bekommen.
Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Nadolny